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10 Jahre nach Anerkennung: Schutz der Nacht im „Sternenpark 2.0“

Wie Sie sehen, sehen Sie (fast) nichts: Auf dem Betriebsgelände der Uth GmbH bleibt es nachts weitgehend dunkel. Beleuchtet werden nur die auch zu später Stunde benötigten Lieferantenzugänge – mit warmem Licht, das abgeschirmt auf den Boden gerichtet ist. Zudem wurde eine intelligente und wirksame Sicherheitsanlage installiert. Foto: Uth Gmbh

Auch die K. Ley GmbH & Co. KG aus Eiterfeld hat sich dazu entschieden, einen Beitrag zum Schutz der Nacht zu leisten und hat das Beratungsangebot der Sternenpark-Beauftragten beim Landkreis Fulda genutzt. Das Foto zeigt die Bestandsbeleuchtung vorher… Foto: Marcus Göttlich

…und nach den einfachen Umrüstungsmaßnahmen: Die Beleuchtung des Werbeschilds wurde abgeschaltet, die Werksbeleuchtung wurden nach unten ausgerichtet, und dank Farbfilterfolie ist das Licht nun nicht mehr kalt-weiß und hat dadurch einen reduzierten schädlichen Blauanteil. Foto: Sabine Frank

#lichtbewusstsein: Gewerbetreibende im Kreis Fulda tun etwas gegen Lichtverschmutzung

LANDKREIS FULDA, 26.06.2024. Seit 2014 trägt das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön den Titel internationaler Sternenpark. Weil man hier noch einen dunklen, wunderschönen Nachthimmel erleben kann – und weil dafür in der Region aktiv etwas getan wird. Ziel ist, Lichtverschmutzung so gut es geht zu vermeiden, also auf Außenbeleuchtung zu verzichten, wo sie nicht unbedingt gebraucht wird, und sie dann sinnvoll einzusetzen. Das spart nicht nur Energie, sondern unterstützt den Klima- und Artenschutz. Zehn Jahre nach der Anerkennung tragen dieses Ziel längst nicht mehr nur die Sternenpark-Kommunen mit – auch Unternehmen sind mittlerweile wichtige Partner. Ihr Engagement wird mit dem Prädikat #lichtbewusstsein anerkannt.

Mit dem Prädikat zeichnet die IHK Fulda gemeinsam mit Stadt und Landkreis Fulda Unternehmen aus, die durch den bewussten Einsatz von Außenbeleuchtung den Schutz der Nacht berücksichtigen. Denn künstliches Licht wird über Wolken aus den Siedlungs- beziehungsweise Gewerbegebieten hinaus in die Naturräume gestreut. Mit naturverträglichen Beleuchtungskonzepten leisten die Betriebe einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Biodiversität und zur Bewahrung eines ästhetischen Ortsbilds und einer Nachtlandschaft mit beeindruckendem Sternenhimmel.

„Die Sternenpark-Kommunen in Hessen, Bayern und Thüringen denken schon seit mehr als zehn Jahren Beleuchtung naturverträglich mit. Dass auch Unternehmen mitziehen, war sozusagen der Startschuss für den Sternenpark 2.0“, sagt Sabine Frank, Sternenpark-Beauftragte beim Landkreis Fulda. Der Startschuss war in 2020 auf dem Betriebsgelände des Mineralbrunnen RhönSprudel gefallen, das als erstes Unternehmen im Landkreis die komplette Außenbeleuchtung nicht nur energieeffizient, sondern umweltfreundlich umgerüstet und somit die Sternenpark-Vorgaben umgesetzt hat. Seitdem spart RhönSprudel 30.000 Kilowattstunden pro Jahr, und der CO2-Ausstoß konnte um 13.000 kg gesenkt werden. Mit LED-Leuchten der Sorte „Amber“ (warme Lichtfarbe, geringe Lichtmenge) und voll abgeschirmten Leuchten ist dafür gesorgt, dass Insekten und andere nacht- und tagaktive Tiere so wenig wie möglich gestört werden.

Dem Vorbild von RhönSprudel sind seitdem zahlreiche Betriebe gefolgt. Nicht zuletzt dank der Initiative der IHK Fulda. „Der Sternenpark ist ein wichtiger Tourismus- und Wirtschaftsfaktor im Landkreis, der die Region attraktiv macht. Gleichzeitig bedeutet ein schöner natürlicher Sternenhimmel auch eine hohe Lebensqualität – ein wichtiger Faktor, um Fachkräfte anzuziehen und langfristig zu binden“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Konow.  „Damit geht eine große Verantwortung einher, die Gewerbe und Industrie im Einsatz für Nachhaltigkeit tragen.“ Für Konow war es ein wichtiges Anliegen, im Bereich Schutz der Nacht aktiv zu werden und die Ziele im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön zu unterstützen. „Als IHK können wir nichts aufzwingen – aber wir können aufklären, informieren und motivieren.“ Gemeinsam entstand die Idee für das Prädikat #lichtbewusstsein, das im März 2022 erstmals verliehen wurde.

Bei der Prädikatisierung wird auf mehrere Parameter geachtet: Notwendigkeit, lichtunabhängige Lösungen, Beleuchtungsdauer, Intensität, Art der Leuchtmittel, Lichtlenkung, „intelligente“ Beleuchtung wie Bewegungsmelder und Zeitschalter sowie den Beleuchtungszweck. Dabei werden die individuellen Gegebenheiten berücksichtigt. Wo zum Beispiel nachts im Außenbereich gearbeitet wird, kann das Licht natürlich nicht abgeschaltet werden – aber es kann sinnig eingesetzt werden, zum Beispiel durch zielgerichtete Lenkung, sodass es nicht in den Himmel oder die umliegende Natur abstrahlt.

Die Initiative #lichtbewusstsein spricht nicht nur die Betriebe an, die bereits vorbildlich beleuchten. „Wir ermutigen alle, sich bei uns zu melden. Gemeinsam ermitteln wir, welche Maßnahmen zum Schutz der Nacht möglich sind“, betonen Michael Konow und Sabine Frank. Oft sind das ganz einfache Maßnahmen, die mit geringen Kosten verbunden sind – wie das Ausrichten von Strahlern auf die Horizontale oder Anbringung von Farbfilterfolie. Hilfestellung bieten vorab die „Planungshilfen für umweltverträgliche Beleuchtung,“ die die Rhön-Landratsämter für Kommunen, Privatleute und Gewerbetreibende veröffentlicht haben. Falls notwendig, wird zudem eine Erstberatung angeboten. Für aufwändigere Maßnahmen mit erhöhtem Kostenfaktor stehen dem Landkreis Fulda Fördermittel zur Verfügung, die genau für solche Zwecke genutzt werden können.

Die Betriebe

Diese Betriebe tragen aktuell das Prädikat #lichtbewusstsein:

  • Computer-L.A.N.
  • Edeka Fleck, Hofbieber
  • Edeka Rehm (Gersfeld + Hilders)
  • Enders Fenster + Türen
  • Engelbert Strauss (Schlüchtern)
  • Franz Carl Nüdling (FCN)
  • Fuldaer Haus
  • Heinrich & Kloss Electronic
  • Grill-Restaurant Kneshecke
  • LindenGut
  • Media Markt Fulda
  • Pentagast eG
  • Rewe Wieber, Petersberg
  • RhönLandHolz
  • RhönSprudel
  • Schreiber GmbH
  • SimonMetall
  • tegut… Markt Dipperz
  • Uth GmbH

Ebenfalls ausgezeichnet wurden:

  • Freiwillige Feuerwehr Steinwand
  • Kulturstiftung des Hauses Hessen (Schloss Fasanerie)
  • Stadt Tann

Betriebe, die Interesse am Prädikat #lichtbewusstsein haben – egal, ob sie ihre Beleuchtung bereits umgerüstet haben, oder ob sie ihre Beleuchtung verbessern möchten –, können sich an die IHK wenden: www.ihk.de/fulda/servicemarken/ueber-uns/praedikate/lichtbewusstsein. Auch die Planungshilfen-Broschüren findet man auf dieser Seite.

Hintergrund: Sternenpark Rhön

International Dark Sky Reserve: Dieser Titel wurde dem länderübergreifenden UNESCO-Biosphärenreservat Rhön auf Antrag der Regionalen Arbeitsgemeinschaft der Rhöner Landkreise (ARGE Rhön) im Sommer 2014 verliehen. Die International Dark Sky Association (IDA) vergibt den Titel an Schutzgebiete mit einem sternreichen Himmel und einer weitgehend intakten Nachtlandschaft, die wegen ihres ökologischen, wissenschaftlichen und kulturellen Werts beziehungsweise ihrer Bedeutung für Bildung und Erholung großräumig geschützt werden. In Deutschland heißen diese Gebiete Sternenpark.

Die Kulisse des Sternenparks Rhön erstreckt sich im Wesentlichen über das Gebiet des Biosphärenreservats. Mehr als 40 Kommunen in Hessen, Bayern und Thüringen haben freiwillig die Sternenpark-Beleuchtungsrichtlinien unterzeichnet. Aber auch Kommunen außerhalb der Gebietskulisse beteiligen sich am Schutz der Nacht. Ziel ist, Lichtverschmutzung bestmöglich zu reduzieren – also zu verhindern, dass künstliche Beleuchtung den Nachthimmel und somit wiederum die Natur und Schutzgebiete aufhellt. Rechtliche Grundlagen liefert unter anderem das Bundesnaturschutzgesetz.

Zu den Maßnahmen im Sternenpark zählen die Umrüstung von Beleuchtungsanlagen unter Beachtung von Parametern wie zielgerichtete Lichtlenkung, warme Lichtfarben mit geringem Blauanteil und bedarfsorientiere Beleuchtung und Intensität, aber auch zeitweise Abschaltung in der Nacht, für die sich Kommunen und Unternehmen freiwillig entscheiden.

Das Projekt Sternenpark ist aber nicht nur ein relevanter Bestandteil im Klima- und Artenschutz in der Region, sondern die Region profitiert auch im Bereich Tourismus und Erholung von der Auszeichnung. Im Sinne einer umweltfreundlichen Besucherlenkung und der Umweltbildung wurden Angebote wie Sternenparkführungen und Himmelsschauplätze entwickelt. Die Auszeichnung der IDA ist nicht auf Dauer verliehen, sondern die Maßnahmen werden jährlich evaluiert. Der Sternenpark Rhön ist somit ein Gemeinschaftswerk der Kommunen, Unternehmen und den Menschen, die in der Region leben. 

Rund um das Thema Beleuchtung erhalten Kommunen, Vereine und Gewerbetreibende, aber auch Privatleute Beratung. Auch Fördermittel stehen unter bestimmten Voraussetzungen zur Verfügung. Ansprechpartner sind die Fachstelle Sternenpark beim Landkreis Fulda sowie die Verwaltungsstellen des Biosphärenreservats in Hessen, Bayern und Thüringen.

Infos zum Sternenpark und zum Jubiläum

Ausführliche Informationen zum Sternenpark, zum Thema Schutz der Nacht und umweltverträgliche Beleuchtung sowie Infos zu Erlebnisangeboten und den Sternenparkwochen im Jubiläumsjahr 2024 findet man auf der Webseite des Biosphärenreservats: www.biosphaerenreservat-rhoen.de/sternenpark

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