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Die Volkshochschule des Landkreises Fulda ist im 100. Jahr / Peter Ballmaier blickt zurück

46 Jahre geballte vhs-Kompetenz: Peter Ballmaier (links) leitete die vhs des Landkreises Fulda von 1973 bis 2004, seitdem ist sein Nachfolger Michael Friedrich im Amt. Foto: Leoni Rehnert

Pioniere eines lebenslangen Lernens für alle

LANDKREIS FULDA, 02.09.2019. Lebenslanges Lernen für jedermann – das haben sich die Volkshochschulen (vhs) in Deutschland auf die Fahne geschrieben. In diesem Jahr feiern sie ihren 100. Geburtstag. Die vhs des Landkreises ist streng genommen erst im nächsten 100, feiert aber bereits mit. „Wir sind ja jetzt im 100. Jahr“, sagt Leiter Michael Friedrich. Auf mehr als 30 Jahre davon blickt sein Vorgänger Peter Ballmaier aus Michelsrombach zurück, heißt es in einer Pressemitteilung des Landkreises.

Peter Ballmaier könnte man durchaus als Mr. Volkshochschule bezeichnen. Fast sein ganzes Leben lang ist der 79-Jährige mit der Volkshochschule verbunden. Mit seinem Wissen und seinen Erlebnissen könnte er Bücher füllen. Bis 1973 war er als Lehrer tätig, dann wurde er Leiter der vhs des Landkreises – bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2004.

„Als ich alt genug war, abends alleine vor die Haustüre zu gehen, habe ich das Programm der vhs genutzt“, berichtet der gebürtige Horaser. In Fulda gab es ein interessantes Vortragsprogramm. Auch seine ersten Auslandsreisen machte er als junger Mann mit der vhs. „Es gab ein tolles Studienreiseprogramm“, sagt Ballmaier.

Und als er 1966 Schulleiter in Schwarzbach wurde, war er damit automatisch Zweigstellenleiter des damaligen Volksbildungswerkes Hünfeld. „Wir haben abends zum Beispiel Lichtbildervorträge veranstaltet. 1968 übernahm er die Leitung der Michelsrombacher Schule und dehnte das Programm weiter aus. Es gab Englisch-Kurse,  Filme wurden gezeigt, zum Beispiel die Westernkomödie „Cat Ballou“. „Da war der Laden rappelvoll, auch beim zweiten Mal“, schmunzelt Ballmaier.

Die Volkshochschule und die Volksbildung sind Teil seines Lebens – und auch heute noch besucht der 79-Jährige regelmäßig Vorlesungen der Katholischen Fakultät. Ein bedeutender Einschnitt in der Geschichte der vhs war für ihn das Hessische Volkshochschulgesetz, das 1970 in Kraft trat. Damit begann die landesweite Professionalisierung der Volkshochschulen. „Damals wurde alles neu geordnet.“

Zudem wurde mit der Gebietsreform 1972 der Landkreis Hünfeld dem Landkreis Fulda zugeordnet – und somit wurden auch die Volkshochschule des Landkreises Fulda und das Volksbildungswerk Hünfeld zusammengelegt. Der Sitz war zunächst in Hünfeld im Landratsamt, später in Fulda.

1973 bewarb sich Peter Ballmaier 33-jährig auf die Stelle des hauptamtlichen Leiters. „Das Hessische Volkshochschulgesetz führte dazu, dass die Volkshochschule, die zuvor nebenamtlich betrieben wurde, jetzt eine eigene professionelle Leitung bekam.“ Außerdem gab es dann professionelle pädagogische Mitarbeiter, die unterschiedliche Wissensbereiche abdeckten.

Der wichtigste Grundsatz für die vhs: Alle alles lehren. „Wenn es irgendwo mehrere Menschen gab, die etwas lernen wollten, dann halfen wir – auch unabhängig vom Programm“, erklärt Ballmaier das Verständnis der vhs. Wenn etwa in Gersfeld genügend Personen Chinesisch lernen wollten, wurde dort ein Kurs veranstaltet. „Wir sind Fachleute für Weiterbildung.“

In den 70er und 80er Jahren war die Hochzeit der Volkshochschule. Die Programme wurden erweitert, es gab in allen Orten Zweigstellenleiter. „Wir wollten den Zugang zur Bildung so leicht wie möglich machen“, betont Ballmaier. Das heißt, die Kurse sollten so wohnortnah wie möglich sein, der Grundsatz galt: Alles ist wichtig – der Preis sollte kein Hindernis sein. „Es wurde alles versucht, die Gebühren so niedrig wie möglich zu halten.“ Das Ziel von Ballmaier war sogar, dass der Besuch der Volkshochschule ebenso wie der der allgemeinbildenden kostenfrei sein sollte. „Aber das ist mir nicht gelungen“, sagt er, der viele Jahre im Vorstand des Hessischen und des Deutschen Volkshochschul-Verbandes war.

Mit der Gesellschaft habe sich auch die vhs verändert. Sie war vor allem in 70er und 80er Jahren wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens, der Weiterbildung, der Sozialisierung und des Zusammenwachsens von Menschen verschiedener Fachbereiche. Die vhs im Landkreis Fulda zeichnete sich durch viele Besonderheiten aus. „Wir waren über viele Jahre die einzige in Hessen, an der man den Haupt- und Realschulabschuss und das Abitur nachholen konnte.“  Und besonders war auch die Kunststation Kleinsassen, die 1979 als erfolgreicher Kulturversuch ins Leben gerufen wurde. Ballmaier war bis 2005 deren Leiter. Zudem bot die vhs ein umfangreiches Studienreiseangebot. „Wir haben die ganze Welt bereist – China, Indien, Amerika, Japan, Thailand, Australien“, schwärmt der Michelsrombacher.

Aber auch viele andere Dinge hat die vhs angestoßen. So  bildete die vhs des Kreises Berufskraftfahrer aus, ein Musikschule wurde begründet,  und Kurse für Gebärdensprache gehörten zum Angebot, aus denen sich der Gehörlosenverein entwickelte. „Viele Vereinsgründungen gehen auf uns zurück“, sagt Ballmaier und betont: „Uns geht es oft um das Anleiern von Dingen. Wenn wir dann merken, das können andere besser, lösen wir uns wieder. Wir haben uns nie aufgedrängt, sondern uns immer als Initiator gesehen, das Lernen zu lernen.“

 

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