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Erstellt:  Dienstag, 10. April 2018

Materielle Not brachte einst Bevölkerung mit Gesetzen in Konflikt / Steinplastik erinnert an frühere Zeiten

Kulturwart Karl Fey neben dem mannshohen in Stein gemeißelten Holzholer mit dem Buchfink auf der Schulter, dem Wappenvogel des Buchfinkenlandes Foto: K.-H. Burkhardt

Kulturwart Karl Fey neben dem mannshohen in Stein gemeißelten Holzholer mit dem Buchfink auf der Schulter, dem Wappenvogel des Buchfinkenlandes Foto: K.-H. Burkhardt

Von Holzholern und Wilddieben im Michelsrombacher Wald

HÜNFELD/BURGHAUN. Der Michelsrombacher Wald, räumlich nahe zum Buchfinkenland gelegen, war für deren Bevölkerung einst von großer Bedeutung. Viele der hier lebenden Menschen fanden darin Arbeit und somit Broterwerb für ihre zu versorgenden, oft kinderreichen Familien. Zahlreiche Geschichten aus einer Zeit zu erzählen, in der der Holzklau und Wilddiebereien an der Tagesordnung waren, weiß Karl Fey, Kulturwart im Heimat- und Geschichtsverein Michelsrombach.

Der „Holzholer“, eine am Dorfgemeinschaftshaus in Michelsrombach stehende mannshohe Steinplastik mit dem Buchfink als Wappenvogel auf der Schulter und Holz auf dem Rücken, erinnert an jene Zeit, in der sich so mancher mit Material aus dem Wald versorgte, um die Wohnstube zu erwärmen oder den Kochherd zu heizen. Damals habe bittere Armut in der Bevölkerung geherrscht, so Fey. In seinen Lebenserinnerungen hielt der verstorbene Michelsrombacher Heimatforscher Heinrich Hohmann fest: „Die Not in manchen Familien war groß. Als Gelegenheitsarbeiter oder Tagelöhner wurde nur wenig verdient. Kein Wunder, dass so mancher gute Familienvater mit den Gesetzen in Konflikt kam, und versuchte auf irgendeine krumme Art und Weise etwas auf den Tisch zu bekommen.“

Der Chronist, der in jungen Jahren selbst im Michelsrombacher Wald unterwegs war und Baumstämme zu Grubenholz aufarbeitete, erinnert daran, dass Holzdiebstähle und Wilddieberei ein Eldorado für arbeitslose Jugendliche und Familienväter gewesen seien. Mancher habe versucht sich der Strafe, die für Vergehen im Zusammenhang mit Wild- und Holzdiebstählen ausgesprochen wurden, durch Flucht zu entziehen. Hohmann zitiert aus dem Wochenblatt für die Provinz Fulda vom 20. November 1853, wonach von 30 im Amtsbezirk Burghaun fast ausschließlich wegen solcher Delikte gesuchter Personen alleine 21 auf Michelsrombach entfielen. Im Bezirk Fulda, wo es auch heute noch viel Wald gibt, war es nicht anders. Von 110 Verurteilten kamen 47 aus Marbach und 52 aus Giesel.

„Daraus kann man die Bedeutung des Waldes als letzte Rettung erkennen“, betont der Heimatforscher. So ist in einem Regierungsbericht aus dem Jahr 1858 von 203 wegen Wilddieberei bestrafter oder höchst verdächtiger Personen in Hünfeld die Rede. Weiter führt Hohmann aus: „Wenn ein Haus oder eine Scheune gebaut werden sollte, holte man einen fachkundigen Zimmermann. Mit ihm besprach man das Bauvorhaben.“ Dann wurde gegessen, Schnaps getrunken und zu vorgerückter Stunde auch die Beschaffung des Bauholzes erwähnt. Dabei soll der Zimmermann dem Bauherrn die zweideutige Frage gestellt haben: „Wie ist es mit dem Holz, willst du es ,ställ’ oder soll ich es ,ställ’?“ Das Wort „ställ“ (also stellen) sei stets so ausgesprochen worden, dass es sowohl bereitstellen als auch stehlen heißen konnte.

Wenn das Holz auf letztere Art beschafft wurde, sei oft die „Nachbarschaftshilfe“ in Aktion getreten. Über Tage suchte man im Wald die Bäume aus, die dann um Mitternacht unrechtmäßig gefällt, auf dem Rücken der Männer nach Hause getragen und sogleich gezimmert wurden. Hierzu merkt Heinrich Hohmann an: „So könnte noch heute so mancher verbaute Balken einiges über seine Herkunft und Geschichte berichten.“

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