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LANDKREIS FULDA

Aktuelles

Erstellt:  Donnerstag, 10. Januar 2019

In den 80er Jahren sollte im Michelsrombacher Wald großflächig gerodet werden

Heute dienen die in den 70er Jahren gebauten Munitionsbunker (hier bei Rudolphshan) friedlichen Zwecken, unter anderem dem Naturschutz.

Heute dienen die in den 70er Jahren gebauten Munitionsbunker (hier bei Rudolphshan) friedlichen Zwecken, unter anderem dem Naturschutz.

Der Protest-Aufkleber. Fotos: Karl-Heinz Burkhardt

Der Protest-Aufkleber. Fotos: Karl-Heinz Burkhardt

Widerstand gegen Hubschrauberlandeplatz

HÜNFELD – Vor 40 Jahren planten die US-Militärs, einen Hubschrauberlandeplatz im Michelsrombacher Wald. Er war als Ausweichlande- und Übungsplatz für den Standort Fulda-Sickels angedacht. Dagegen gab es vielfältige Proteste von rund um das große Waldgebiet lebenden Menschen, von Vereinen und der Forstverwaltung.

Es waren Jahre der Verunsicherung durch das atomare Auf- und Wettrüsten zwischen dem Warschauer Pakt und der NATO. Einer massiv mit Mittelstreckenraketen aufgerüsteten Sowjetunion standen mit Pershing II-Raketen und „Tomahawk“-Marschflugkörpern reagierende US-Militärs gegenüber. Im östlichen Teilen Hessen war vorgesehen, weitgehend unberührte Waldgebiete für Munitionsbunker und Übungsplätze abzuholzen. Immer mehr NATO-Einheiten sollten in den Vogelsberg und die Rhön verlegt und US-Truppenkontingente stationiert werden. Massiver Widerstand durch die Friedensbewegung mit Tausenden von Gegnern war die Folge. Ein Sternmarsch sowie zahlreiche Bauern aus dem Großraum Schlitz protestierten gegen die Umwandlung des waldreichen Eisenbergs zwischen Queck und Willofs, wo ein Truppenübungsplatz für Panzer und rund 6000 GIs entstehen sollte.

Auch weil es in Fulda-Sickels während der Nacht zu Hubschrauberlärm kam, wurde ein Ausweichflugplatz im Staatsforst Michelsrombacher Wald, wo sich bereits eine Militärschießanlage befand, ins Kalkül gezogen. Nicht nur die Bevölkerung bezog dagegen massiv Stellung. Es waren insbesondere auch die damaligen Forstamtsleiter Dr. Henning Faust (Forstamt Fulda-Nord) und Dr. Ravan von Göler (Forstamt Hünfeld), erinnert sich Forstbeamter i. R. Heinrich Heß (Hünfeld), der zuletzt als Leiter des Biosphärenreservats Rhön tätig war.

In der 159. Sitzung des Deutschen Bundestags am 13. Juni 1979 stellte der damalige CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Wilfried Böhm die mündliche Anfrage: „Trifft es zu, dass beabsichtigt ist, im Waldgebiet oberhalb des Hünfelder Stadtteils Michelsrombach im hessischen Zonenrandkreis Fulda einen Außenlandeplatz für Hubschrauber der US-Armee zu errichten, nachdem die Verlegung des Flugplatzes Fulda-Sickels in den Michelsrombacher Wald nach Angaben des Bundesfinanzministeriums nicht mehr erwogen wird?“ Und weiter: „Ist der Bundesregierung bekannt, dass alle Argumente, die gegen die Verlegung des Flugplatzes Fulda-Sickels in den Michelsrombacher Wald sprachen, auch im Fall der Errichtung eines Außenlandeplatzes im vollen Umfang zutreffen, und welche Alternativen zur Lösung des Flugplatzproblems sieht die Bundesregierung?“

Daraufhin wurde Böhm vom damaligen Staatssekretär Haehser mitgeteilt: „Nachdem sich die Verlegung des Flugplatzes Fulda-Sickels als nicht möglich erwiesen hat, wird geprüft, ob ein Außenlandeplatz für Übungszwecke errichtet werden kann, um die Bevölkerung im Bereich des Flugplatzes Fulda-Sickels von der Belästigung durch Hubschrauberlärm wenigstens teilweise zu befreien. Der Michelsrombacher Wald gehörte ursprünglich zu den für einen Außenlandeplatz in Betracht gezogenen Gebieten. Neuere Überlegungen lassen es jedoch problematisch erscheinen, den Übungsplatz dort anzulegen. Die Untersuchungen sind noch im Gange. Der Bundesregierung wurde von mehreren Einsendern, die sich gegen eine Verlegung des Flugplatzes Fulda-Sickels in den Michelsrombacher Wald gewandt haben, vorgetragen, dass ihre Argumente auch für den Fall der Errichtung eines Außenlandeplatzes zutreffen. Unabhängig davon ist der Bund im Zusammenhang mit der etwaigen Errichtung einer derartigen Außenanlage bemüht, Beeinträchtigungen der Natur und Landschaft so gering wie möglich zu halten und insbesondere Eingriffe in geschlossene Waldbestände zu vermeiden.“

Letztlich hatten wohl die massiven Proteste mit dazu beigetragen, dass ein großes Waldgebiet des zwischen Michelsrombach und Fulda liegenden Staatswalds vor der Abholzung verschont blieb.

Ein halber Nadelbaum, drei Baumstümpfe und die Aufschrift „Rettet den Michelsrombacher WALD“  zierten damals den Aufkleber der Protestierenden. Als sichtbares Zeichen des Unmutes weiter Teile der Bevölkerung sah man das Emblem  als Plakat und auf Autos. / khb