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Kindergarten in Silges ist Hessens erste „Biosphären-Kita“ / „Sinneserfahrungen sammeln und zur Ruhe kommen“

Richtig gemütlich gemacht haben es sich die Natur-Hüpfer in ihrem Kindergartenwald. In den selbstgebauten Zelten aus Holzstöcken spielen sie Indianer, „Vater, Mutter, Kind“ und Kaufmannsladen oder ziehen sich einfach zum Entspannen zurück. Zweimal die Woche geht es den Berg hinauf in den Wald und schon unterwegs können die Kinder viel Spannendes erleben. Fotos: Sandra Limpert

Ausgezeichnet: Natur-Hüpfer, die in den Wald abtauchen

NÜSTTAL. Wer erwartet, in der ersten hessischen Biosphären-Kita würde es vor allem darum gehen, den Nachwuchs zu Naturexperten zu erziehen, der denkt zu eindimensional. Denn für die Auszeichnung, die Umweltministerin Priska Hinz beim Hessentag überreicht hatte, musste sich die Einrichtung in vielerlei Hinsicht profilieren. „Eigentlich stand uns der Titel schon seit sechs Jahren zu“, betont Leiterin Daniela Wiedekamp selbstbewusst.

Der Silgeser Kindergarten besitzt einen besonderen Schatz: ein Waldstück, das ihm seit über 15 Jahren von der Gemeinde Nüsttal zur Verfügung gestellt wird. Ursprünglich wurde es von Ranger Arnold Will vom Biosphärenreservat Rhön genutzt, um den angehenden Schulkindern dort einmal im Monat Naturerfahrungen zu ermöglichen und ihnen ökologische Zusammenhänge zu verdeutlichen. Als Wiedekamp vor sechs Jahren die Leitung der Kita  übernahm, führte sie zusätzlich zu den Exkursionen der „Großen“ für alle Altersgruppen zweimal wöchentlich stattfindende Wald-Tage ein.

Ein großes Tipi aus Holz dient als Wetterschutz. Seile an Baumstämmen laden zum Balancieren ein. Dank eines Zuschusses aus Lottomitteln konnte sogar eine Kompost-Toilette angeschafft werden. Etwas abseits stehen Bienenstände eines ortsansässigen Imkers samt Lehrtafeln über die nützlichen Insekten. Bevor die 20-köpfige Gruppe in ihr Refugium eintaucht, singt sie: „Wir geh’n jetzt in den Wald hinein, doch wir müssen leise sein…Hier wohnen viele Tiere, Groß und Klein.“ Wiedekamp, die sich in Wildnis-Pädagogik und Pflanzenheilkunde fortgebildet hat, ist es wichtig, dass ihre Schützlinge im Wald zur Ruhe kommen. „Das fehlt vielen Kindern in unserem hektischen Alltag: Einfach irgendwo sein zu dürfen und Zeit zu haben, um in aller Ruhe Sinneserfahrungen machen zu können“, meint sie. Auch motorische Geschicklichkeit werde gefördert.

Für die Zertifizierung als Biosphären-Kita werden neben „Ökologie“ die Aspekte „Ernährung“, „Konsum“ sowie „Soziales und Kooperation“ bewertet. Laut Wiedekamp war ihr Kindergarten auch der erste, der eine Kooperation mit einer Seniorentagespflege initiiert hat: Beide Einrichtungen befinden sich im gleichen Gebäude, und die Kinder haben auch außerhalb organisierter Veranstaltungen die Möglichkeit, die älteren Menschen zu besuchen. „In den Wald können die Senioren leider nicht mit“, bedauert Wiedekamp. Der einen Kilometer weite Weg dorthin ist für ältere Personen kaum zu bewältigen, während die Kinder – sogar die Dreijährigen – munter an der Rhönschaf-Weide und an blühenden Blumenwiesen vorbei den Berg hinauf spazieren.

Was das Kriterium des nachhaltigen Konsums angeht, wird bei den Natur-Hüpfern auf einen bewussten Umgang mit Mal- und Bastelmaterial geachtet: „Angefangene Arbeiten sollen zu Ende gebracht werden, denn das Papier wird aus Bäumen gewonnen.“ Zudem erfahren die Kleinen nebenbei, dass für versunkenes Spielen keineswegs das neueste Spielzeug aus der Werbung erforderlich ist: Mit etwas Phantasie wird aus dem Stock eine Motorsäge und aus dem Baumstamm ein Pferd. Statt Häusern aus Lego bauen die Kids im Wald Zelte aus Ästen. Auch dabei trainieren sie soziale Kompetenz: Zwei Mädchen beschließen, ihre beiden Tipis zu einem gemeinsamen umzubauen. „Viele Kinder sind heute nicht mehr in der Lage, sich Dinge zu teilen, weil sie es gewohnt sind, dass jeder seinen eigenen Spielplatz mit Rutsche und Schaukel im Garten hat“, erläutert Wiedekamp eine Beobachtung aus dem Alltag.

Wie sie und ihre Kollegin Silke Büttner das Thema Ernährung umsetzen, erklärt sich von selbst, als die Kinder ihr Frühstück auspacken: Die meisten Boxen sind mit Vollkornbrot, Obst und Gemüse gefüllt, Süßigkeiten sind sowohl an den Wald- als auch an den anderen Tagen tabu. Stattdessen durften die Natur-Hüpfer im Frühjahr junge Buchenblätter probieren, oder sie sammeln Brennnesselsamen, um damit ihr einmal wöchentlich auf dem Speiseplan stehendes Müsli aufzupeppen. Auch für die Erzieherinnen gibt es heute eine Leckerei: Aus einer Baumscheibe, Zweigen und Blättern haben Kinder für sie eine Pizza gebacken.

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