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Wie ein kleiner Junge aus Oberkalbach dank der Hilfe der Gliederfüßer vor den Schweden gerettet werden konnte

Am Taufstein hielt der Knabe der Sage nach inne, um Luft zu schöpfen und ein Versteck zu finden. Paul Kimpel aus Oberkalbach ist Mitglied im Heimatverein und stellt die Geschichte seiner Ahnen nach. Foto: P. Bickert

Am Taufstein hielt der Knabe der Sage nach inne, um Luft zu schöpfen und ein Versteck zu finden. Paul Kimpel aus Oberkalbach ist Mitglied im Heimatverein und stellt die Geschichte seiner Ahnen nach. Foto: P. Bickert

Die Spinnen als Retter vor dem Feind

KALBACH, 30.05.2018 - Viele Menschen fürchten sich vor Spinnen. Dabei sind die eher unansehnlichen Krabbeltiere durchaus nützlich, nicht nur für das Ökosystem, sondern – wie in der Gemeinde Kalbach geschehen – bei der Rettung von Menschen. Ein kleiner Junge aus dem Ort verdankt der Sage nach sein Leben den kleinen Tierchen, die seither in Oberkalbach insbesondere von den älteren Bewohnern verehrt werden.

Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges waren die Schweden nach Deutschland eingefallen. In der Region um Schlüchtern und Kalbach verbreiteten sie ebenfalls Angst und Schrecken. Sie mordeten, raubten und plünderten. Felder wurden vernichtet, ganze Dörfer und Bauernhöfe niedergebrannt, Kirchen und Schulen zerstört, Tiere getötet, Frauen und Kinder verschleppt. Epidemien und Hunger töteten zehntausende Menschen.

Auch in Oberkalbach, wo vor dem Beginn des Krieges noch 70 Familien gelebt hatten, war das Ausmaß der Katastrophe unbeschreiblich. Die Menschen versteckten sich in den Wäldern, viele hielten sich am Schwarzenberg versteckt, andere hausten in den fast undurchdringlichen Dornenhecken am sogenannten Jägerhaus. Das Dorf selbst schien völlig verwaist.

Der Sage nach flüchtete einst ein kleiner Junge vor den Schweden, die ihn aufgespürt hatten und ihn unbarmherzig verfolgten, um ihn zu töten. Der Knabe rannte durch die Wälder und hielt am Frauenstein inne, um Luft zu holen und ein Versteck zu finden. Der auf dem 596 Meter hohen Frauenberg zwischen Heubach und Sparhof in einer Dickung verborgene, mächtige Doleritblock mit einer muldenförmigen Vertiefung an der Oberfläche, sieht aus wie ein Taufstein und wird im Volksmund auch so genannt.

Die herannahenden Häscher waren dem Knaben so dicht auf den Fersen, dass er den Atem der Verfolger schon spüren konnte. In seiner Not schlüpfte er durch eine nahestehende Dornenhecke. Kaum war das Kind durch das dornige Gestrüpp gekrochen, spannen die Spinnen ein dichtes Netz seidener Fäden vor die Öffnung, die der Junge hinterlassen hatte.

Als die Horde der Schweden am Taufstein ankam, konnte sie den Flüchtenden nicht mehr finden. Das dichte Spinngewebe, das den Fluchtweg des Oberkalbacher Knaben tarnte, war für die nordischen Krieger ein klares Zeichen, dass der Verfolgte einen anderen Weg eingeschlagen haben musste. Sie meinten, dass unmöglich jemand durch die Dornenhecke geschlüpft sein konnte, da das feingewobene Netz unversehrt war, und so zogen sie unverrichteter Dinge wieder ab. Die Spinnen hatten dem Jungen das Leben gerettet.

Noch heute hegen viele Oberkalbacher eine große Verehrung für die nützlichen Tiere, und die Geschichte wird von Generation zu Generation weitererzählt. Aus den gerade einmal 34 Familien, die nach Ende des Krieges im Jahr 1648 in Oberkalbach ihr Leben wieder aufnahmen, ist heute ein lebendiger Ortsteil mit über 800 Einwohnern entstanden, die auch Dank des örtlichen Heimatvereins ihre Historie pflegen.

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