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Infos und Tipps des Kreis-Gesundheitsamtes zur Hitze / Hinweise für Ältere und Pflegende

Infos und Tipps zu Hitze von Prof. Dr. Dirk Breitmeier (links), Leiter des Gesundheitsamtes des Landkreises Fulda, und Jens Fitzenberger, Gesundheits-berichterstatter des Kreises. Foto: Leoni Rehnert

Bei Hitze: „Keine Panik, aber Vorsicht ist geraten“

FULDA. Der menschliche Organismus leistet Erstaunliches: Bei Kälte und bei Hitze hält ein ausgeklügeltes System die Körperkerntemperatur konstant bei 37 Grad Celsius – normalerweise. Aber die derzeitigen Außentemperaturen machen manchem schwer zu schaffen. 740 Menschen in Hessen, so schätzen Experten, sind im Sommer 2018 an den Folgen der extremen Hitze verstorben. „Die Auswirkungen ungewöhnlicher Hitzeperioden für die Gesundheit der Bevölkerung werden unterschätzt“, sagt Prof. Dr. Dirk Breitmeier, Leiter des Gesundheitsamtes des Landkreises Fulda. „Aber Angst muss man vor der Hitze nicht haben“, ergänzt Jens Fitzenberger, Gesundheitsberichterstatter des Kreises.

Viele klagen über Hitze. Was ist denn an der heißen Zeit nun wirklich gefährlich?

Breitmeier: Es gibt keinen Grund zur Panik, das möchte ich vorweg schicken. Natürlich sterben Menschen auch an den Folgen der Hitze, aber wer vorbereitet ist und sich vernünftig und seiner Konstitution angemessen verhält, der kommt gut durch die heiße Saison.

Das bedeutet?

Breitmeier: Im Prinzip ist es einfach. Man darf sich nicht zu lange der Sonne aussetzen und muss bedenken, dass es einem auch ohne direkte Sonneneinstrahlung zu heiß werden kann. Extreme körperliche Anstrengungen sollte man vermeiden und ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Das ist für alle Menschen jeden Alters wichtig. Wer jedoch Vorerkrankungen hat, der muss unbedingt vorsichtiger sein.

Was kann einem widerfahren, wenn man nachlässig ist?

Breitmeier: Dazu muss man wissen, wie der Körper auf Hitze reagiert. Zum einen versuchtder Körper, durch erhöhte Schweißproduktion die Körpertemperatur zu senken. Dabei verliert er Flüssigkeit. Infolge des Flüssigkeitsverlustes bricht die Schweißproduktion zusammen. Zum anderen führt  die Weitstellung der Blutgefäße der Haut zu einer Steigerung der Wärmeabgabe. Funktioniert die Wärmeabgabe, kann eine Überhitzung beziehungsweise ein Wärmestau vermieden werden. Beim Ausfall dieser Funktionen oder bei deren Überlastung steigt die Körpertemperatur an und es kann zu einem gefährlichen Wärmestau im Körper kommen – mit der Folge eines Kreislaufzusammenbruches.

Wird dieses komplexe System überstrapaziert, dann bricht es zusammen?

Breitmeier: So ist es. Die Folgen sind Sonnenstich, Hitzekollaps oder Hitzschlag. Und alles kann zu lebensgefährlichen Situationen bis hin zum Tod führen.

Der Sonnenstich ist ein isolierter Hitzschlag des Kopfes. Die Überwärmung des Gehirns führt zur Reizung der Hirnhäute. Übelkeit, Erbrechen, Bewusstlosigkeit sind die Folge.

Beim Hitzekollaps bricht der Blutdruck zusammen. Das Herz hört schlimmstenfalls auf zu schlagen. Die Körpertemperatur ist nur gering erhöht. Früh erkannt, ist der Zustand oft nur vorübergehend. 

Der Hitzschlag ist am gefährlichsten und ein medizinischer Notfall. Der Verlust an Schweiß sowie die Gefäßweitstellung führt zum Blutdruckabfall, der Puls ist häufig schnell. Es kann zu Atemstillstand oder Kreislaufversagen kommen (klassischer Hitzschlag). Ein Notarzt ist vonnöten. Der Hitzschlag tritt nicht selten als Folge von zu großer Anstrengung auf, etwa bei körperlichen Arbeiten in der Sonne oder Hitze (Anstrengungshitzschlag).

Kann man einen Hitzschlag auch in Ruhe erleiden?

Breitmeier: Jeder kann überhitzen. Gefährdet sind insbesondere pflegebedürftige Menschen, wenn sie lange großer Hitze ausgesetzt sind. Auch Alzheimer-Patienten, Menschen mit Demenz oder chronischen Erkrankungen neigen leicht zum Hitzschlag, da hier körpereigene Temperatur-Regulationsmechanismen ausfallen können.

Haben Sie einen Rat speziell für ältere Menschen?

Breitmeier: Wer  80 oder 90 Jahre alt ist und gesund, hat, unter Beachtung gewisser Maßgaben, kein wesentlich größeres Risiko. Selbst junge und gesunde Menschen können einen Hitzschlag erleiden. Dennoch sind die Regulationsmechanismen des Körpers im Alter etwas träger. Ältere Menschen schwitzen nicht mehr so viel, weil die Zahl der Schweißdrüsen geringer ist. Allerdings bewegen sich ältere Menschen ja auch nicht mehr so viel.  Insofern reicht es, auf die richtige Balance zwischen Sonneneinstrahlung und Flüssigkeitszufuhr zu achten.

Fitzenberger: Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, etwa blutdrucksenkende Mittel oder Wassertabletten, der sollte mit seinem Arzt sprechen, inwieweit dieser spezielle Verhaltensmaßregeln bei Hitze für wichtig hält. Die Dosierung dieser teils lebensnotwendigen Medikamente darf niemals selbst geändert werden. Auch Medikamente, die die Arbeit der Schweißdrüsen verringern, etwa Psychopharmaka oder Mittel gegen Parkinson, sind bei Hitze im Einzelfall mit dem Arzt zu besprechen.

Viel trinken. Ist das ein guter Rat?

Breitmeier: Nein, das ist viel zu pauschal. Jemandem mit Herzschwäche oder einem Dialysepatienten darf man nicht einfach sagen, er solle drei, vier Liter Wasser trinken. Das kann gegebenenfalls zu einer Überlastung des Körpers mit Flüssigkeit führen und somit zusätzliche Dialysen erforderlich machen. Bei Patienten mit einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) kann diese verstärkt werden und zu einem akuten Herzversagen führen.

Oftmals wollen ältere Menschen ja auch nicht mehr so viel trinken.

Fitzenberger: Betagten Menschen fällt oft das Schlucken schwerer. Da nutzt es oft nicht so viel, sie nur  aufzufordern, Wasser zu trinken. Geeigneter ist es, verschiedene Verhaltensweisen einzuüben und eine Routine zu schaffen – zum Beispiel immer ein gefülltes Glas in der Nähe zu haben. Das hílft auch Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind und den Weg in die Küche scheuen.

Eine gute Alternative sind  tatsächlich Früchte wie Wasser- oder Honigmelone, die häufig besser rutschen. Und es hat sich etwa bei dementen Menschen auch bewährt, einfach mal das eigene Glas zu heben und den Angehörigen zum Anstoßen aufzufordern. Das gelingt wirklich oft.

Ist Wasser das beste Getränk?

Fitzenberger: Wasser ist auf jeden Fall gut, soll aber nicht kalt sein, sondern eher lau. Der Körper reagiert auf kalte Getränke mit der Produktion von Wärme und wirkt dem gewünschten Effekt entgegen. Geeignet sind zwischendurch auch elektrolythaltige Getränke, mal eine Apfelschorle oder eine  Brühe. Generell ist darauf zu achten, dass man nicht dehydriert.

Haben Sie noch ein paar Tipps?

Breitmeier: Leichte Kost, luftige, der Temperatur angepasste Kleidung, Arm- oder Fußbäder, nächtliche Frischluft zum Lüften der Wohnung nutzen. Bei Ventilatoren und Klimaanlagen ist Vorsicht angebracht, da manche Personen darauf empfindlich reagieren. Wenn möglich, Arbeiten im Freien vermeiden. Bei hohen Temperaturen sollte ferner auf den Konsum von Alkohol verzichtet werden. Man sollte sich nicht hoher Temperaturen und direkter Sonnenstrahlung aussetzen. Sportliche Aktivitäten sollten ebenfalls wohldosiert und ausgesucht erfolgen.

 

Hintergrund-Info

Für Hessen wird von 740 durch die Hitzewelle verursachten Sterbefälle ausgegangen, das sind etwa 12 pro 100.000 Einwohner. Besonders betroffen sind dabei ältere Altersgruppen: Bei den 75- bis 84-Jährigen wird in Hessen von zusätzlich 60 Sterbefällen pro 100.000 Einwohner und bei den über 84-Jährigen etwa 300 pro 100.000 Einwohner ausgegangen. Damit dürfte Hitzewellen eine der stärksten Faktoren für die Gesundheit vor allem der älteren Bevölkerung sein. Als Risikofaktor dafür gilt nicht das Alter allein, sondern die größere Wahrscheinlichkeit von Grunderkrankungen wie beispielsweise des Herz-Kreislaufsystems oder der Nieren. Außerdem gehören auch betagte Menschen, die allein leben, zur Risikogruppe. 

Altenheime sind an das Hessische Hitzewarnsystem angeschlossen. Diese Warnsysteme vor extremen Wetterlagen, nicht nur vor Hitze, stehen jedem Bürger zur Verfügung: https://www.dwd.de/DE/service/newsletter/newsletter_node.html

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