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Die gebürtige Inderin Pallavi Seibold wurde im September eingebürgert

Seit 2015 lebt Pallavi Seibold mit ihren beiden Kindern und ihrem Mann in Kalbach. Foto: Sebastian Mannert

„Osthessen ist meine Heimat geworden“

KALBACH. An Osthessen liebt sie die Sonnenaufgänge, die besonders schöne Natur und die herzlichen Menschen: Die Inderin Pallavi Seibold (43) lebt seit vier Jahren in Kalbach und wurde im September 2019 eingebürgert. In Osthessen hat sie ihre Heimat gefunden.

„Deutschland stand nie auf meinem Plan – nicht mal für eine Reise“, blickt Pallavi Seibold lachend zurück. Doch im Februar 2010 lernt sie ihren heutigen Mann Jan Seibold aus Kalbach kennen, als sie beide in einem Fünf-Sterne-Hotel in Neu-Delhi arbeiten; ihr Mann als Koch, sie in der Öffentlichkeitsarbeit. Bereits in der ersten Woche treffen sie aufeinander, kurz danach verabreden sie sich auf einen Kaffee und gehen von da an gemeinsam durchs Leben.

Aufgewachsen ist Pallavi Seibold bei ihren Großeltern in Neu-Delhi, da sie ihre Eltern mit 13 Jahren bei einem Unfall verloren hat. Als junge Frau studierte sie Englische Literatur und arbeitete später als freie Journalistin, nachdem sie 2001 ihre Tochter bekommen hatte. Da ihre Eltern nicht mehr lebten, war es schwierig, Familie und Arbeit unter einen Hut zu bekommen. Als ihre Tochter älter wurde, begann sie im Februar 2010 dann ihren Job im Hotel in Neu-Delhi.

Im Sommer 2010 besuchte die Inderin dann erstmals die Familie und Freunde ihres heutigen Mannes. „Wir waren im Sommer zu Besuch, aber ich war ehrlich geschockt. Es fühlte sich an wie Winter“, sagt die 43-Jährige lachend. Ihre Tochter und Jan Seibold genossen den Monat in Deutschland sehr. Von Familie und Freunden wurden sie gut aufgenommen. „Unser Plan war es, gemeinsam in Deutschland zu leben.“

Als Pallavi Seibold 2011 schwanger wurde, wurden die Pläne dann konkreter. „In Indien ist es für Kinder nicht so schön, groß zu werden. Sie können sich nicht frei bewegen, draußen toben und spielen, da die Gegenden einfach nicht so sicher sind“, betont Seibold. Sie lernte Deutsch, beantragte ein Visum und ging dann Ende 2011 mit ihrer Tochter und ihrem neugeborenen Sohn nach Deutschland, wo sie im Januar 2012 ihren Mann heiratete.

Im September des gleichen Jahres zog die Familie aufgrund eines Jobs von Jan Seibold nach Ägypten, wo sie zweieinhalb Jahre lebte. 2015 zogen sie dann nach Sri Lanka, wo Jan Seibold eine neue Arbeit aufnahm. Doch im Dezember 2015 entschieden sie sich, erneut nach Deutschland zurückzukehren – zuerst auch ohne eine Arbeit. „Das war eine nicht so einfach Zeit“, blickt Pallavi Seibold zurück. Gerade für ihre damals 14-jährige Tochter bedeutete der Umzug neue Strukturen, eine neue Schule und neue Freunde. Von da an war für Pallavi Seibold klar: „Ich gehe hier nie mehr weg.“ Seit 2016 wohnen sie im Haus der Eltern ihres Mannes. „Es ist schön, dass die Kinder ihre Oma und ihren Opa im Haus haben. Sie können so viel von ihnen lernen“, sagt die 43-Jährige und ergänzt, dass sie sich so auch gegenseitig unterstützen könnten.

Nach mehreren Sprachkursen erlangte die zweifache Mutter das Sprachniveau B2 im Mai 2017, seitdem arbeitet sie zudem an der Raststätte in Uttrichshausen. „Mir war es wichtig, die Sprache schnell zu lernen. Nur so konnte ich mich mit den Leuten aus dem Ort austauschen und die Bürokratie hier verstehen“, erklärt sie. Im September 2019 wurde sie offiziell im Landratsamt eingebürgert und hat seitdem die deutsche Staatsbürgerschaft.

An Osthessen schätzt sie die schöne Natur und die ganz besonderen Sonnenuntergänge. Dafür fährt sie manchmal auch Umwege, um sie besonders genießen zu können. „Das beruhigt mich“, verrät Pallavi Seibold und erklärt den Unterschied zu Neu-Delhi: „Die 21-Millionen-Stadt Neu-Delhi schläft nie. Hier in Kalbach sehe ich manchmal fast niemanden. Das ist schon ein enormer Unterschied.“  Auch für ihre Kinder ist Kalbach ein Paradies. Draußen Spielen und Toben steht bei ihnen auf der Tagesordnung.

„Als ich noch in Indien gelebt habe, hörte man über die Deutschen immer, dass sie anstrengend seien, viel zu pünktlich und zu organisiert und viel zu distanziert. Das kann ich aber überhaupt nicht bestätigen. Alle waren so nett und herzlich zu ans, als wir nach Deutschland gekommen sind“, erklärt die zweifache Mutter. „Ich bin hier angekommen, hier ist meine Heimat.“

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