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Beitrag zu Nachhaltigkeit und regionaler Wertschöpfung / Schub durch Corona / „(M)aus der Rhön“ mit ehrgeizigen Zielen

Matthias Weller beim "Seitensprung" auf den Hilderser Markt: Der Mitinitiator des Rasdorfer Feierabendmarktes hofft, dass weitere Regionalmärkte entstehen. Foto: Sandra Limpert

Wochenmärkte statt Weltmarkt?

HIILDERS/RASDORF. Künzell, Neuhof, Rasdorf und Hilders sind Trendsetter – in allen vier Gemeinden gibt es seit ein bis zwei Jahren einen regelmäßigen Markttag mit Anbietern aus der Region. „Ein Erfolgsmodell“, sagt der Hilderser Bürgermeister Hubert Blum über den Ulstertaler Wochenmarkt, dessen Ziel gewesen sei, den Ortskern zu beleben und die regionale Wertschöpfung zu fördern.

Für lokale Wirtschaftskreisläufe setzt sich auch Simone Müller, Koordinatorin der Ökomodellregion im Fachdienst Landwirtschaft der Kreisverwaltung, ein. „Es gibt einen Trend hin zu mehr Regionalität, der durch Corona verstärkt wurde“, weiß sie aus Gesprächen mit Direktvermarktern. Trotzdem hegen ihrer Meinung nach viele Erzeuger Vorbehalte: „Sie sehen die Rhön noch immer als die Arme-Leute-Region von früher statt als Wirtschaftsregion mit guter Kaufkraft, zu der sie sich entwickelt hat.“

Das Potential der Region hatten auch Landwirte, Gastronomen, Gewerbetreibende und Bürgerinnen und Bürger aus Rasdorf im Blick, als sie 2020 den Verein „Rasdorfer GenussKultur“ ins Leben riefen, der sich die Förderung von Regionalität, Nachhaltigkeit und regionaler Kulinarik auf die Fahnen geschrieben hat. „Eigentlich sind wir ein Umweltverein, der die Menschen über den Genuss sensibilisieren möchte, wie Lebensmittelerzeugung und ökologische Aspekte zusammenhängen“, führt Vorsitzender Matthias Weller aus.

„Drei-Länder-Genuss-Region Rhön“

Zu diesem Zweck veranstaltet der Verein unter anderem Märkte: alle zwei Jahre einen „Schinken- und Destillationsmarkt“, auf dem sich Erzeuger aus der „Drei-Länder-Genussregion Rhön“ präsentieren, und einmal monatlich kleinere „Feierabendmärkte“ mit Direktvermarktern überwiegend aus dem Rasdorfer Einzugsgebiet. Der jüngste fand im März anlässlich der Eröffnung des neuen teo-Ladens an der Via Regia (B84) statt.

Doch egal ob große oder kleinere Veranstaltungen - zum Konzept gehört es, Erlebnischarakter und Verbraucherinformation zu verbinden. Auf jedem Feierabendmarkt wird ein anderer Brenner aus der Gegend zwischen Schlitz und Hessischem Kegelspiel mit seinen hochprozentigen Produkten vorgestellt und außerdem ein Lebensmittel in den Mittelpunkt gerückt. Zuletzt zeigten Vereinsmitglieder, wie man gekörnte Gemüsebrühe ohne künstliche Zusatzstoffe selbst herstellen kann. Außerdem präsentierte die Schäferei Elmar Spies die neuen „Wollets“ – Düngeplättchen aus Schafwolle. Zu jedem Nahrungsmittel – bislang lag der Fokus auf Schinken, Butter, Zwetschgenmus und Sauerkraut - hat der Verein einfache, aber informative Fibeln zusammengestellt. In der über Butter zum Beispiel erfährt man nicht nur die Herkunft der Redewendung „Alles in Butter“, sondern auch etwas über den Nährstoffgehalt der Milch von Hochleistungskühen und von Tieren aus kleinbäuerlicher Freilandhaltung.

Der Markt in Hilders dagegen setzt für seine Attraktivität auf ein möglichst breitgefächertes Angebot. Der große Stand mit frischem Obst und Gemüse aus aller Welt zieht offensichtlich genauso viele Interessenten an wie der mit Frischfisch. „Wir haben zunächst nach lokalen Anbietern gesucht, aber niemanden auf Dauer gefunden“, erklärt der Hilderser Gemeindechef.

Beim Feierabendmarkt in Rasdorf war Matthias Zentgraf aus Batten mit einem Stand mit verschiedenen Kartoffelsorten und Gemüse vertreten: Möhren, Rote Bete, Zwiebeln – viel mehr gibt der März nicht mehr her und ist daher schlecht geeignet für einen Vergleich mit der Riesenauswahl von Avocados bis Zitronen des Händlers auf dem Hilderser Markt. Trotzdem ist Matthias Weller froh über den Stand mit Rhöner Gemüse: „Zu Regionalität gehört auch Saisonalität. Müssen wir tatsächlich im Winter Treibhaustomaten essen?“, fragt er.

Warum in die Ferne schweifen…?

Dem Verein „GenussKultur“ geht es laut Vorsitzendem jedoch nicht um den Verzicht auf exotische Lebensmittel, sondern um ein reflektiertes Einkaufsverhalten. So hat sich der Vorstand bewusst auch für einen Friedewalder Feinkosthändler mit mediterranen Spezialitäten für die Feierabendmärkte entschieden. „Der Betrieb ist im Biosphärenreservat Rhön heimisch und stellt hochwertige Lebensmittel selbst her“, erläutert Weller.

Auch auf dem Hilderser Wochenmarkt ist „Pamir und Sadaat“ mit seinen Delikatessen anzutreffen. Fehlen wird dort allerdings künftig ein Wildhändler aus Langenselbold: „Wenn ich zusätzlich zu meinen Benzinkosten für die insgesamt 200 Kilometer Fahrt auch noch Standgebühren zahlen muss, lege ich drauf“, sagt Heinz Seidel enttäuscht.  Die Hilderser Imker dagegen sind zuversichtlich, dass sich ihr Stand weiterhin rentiert. „Viele greifen im Supermarkt zu Bio-Honig und wissen gar nicht, dass ein Großteil davon aus China stammt“, bedauert Aloysius Mehler. Sein Honig sei stets komplett rückstandsfrei getestet worden, was unter anderem damit zusammenhänge, dass er seine Waben ausschließlich aus eigenem Bienenwachs ohne Zusatzstoffe fertige. Dass sein Honig im vergangenen Jahr sogar zum drittbesten hessenweit gekürt wurde, erwähnt erst seine Frau.

„Wir haben in der Rhön tolle Handwerker und Lebensmittelproduzenten. Die möchten wir beim Marketing unterstützen“, führt Matthias Weller aus. Sogar ein Maskottchen hat der Verein von dem Rasdorfer Pavel Vlasanek kreieren lassen: die „(M)aus der Rhön“. Wellers Wunschziel ist, dass alle zehn bis 20 Kilometer ein Wochenmarkt mit Anbietern aus dem jeweiligen Gemeindeumkreis entsteht.

Bauernmärkte im Landkreis:
Burghaun: jeden zweiten Samstag im Monat von 8.30 bis 13 Uhr am Marktplatz
Fulda: jeden Donnerstag (Februar bis November) von 9 bis 14 Uhr, Unterm Heilig Kreuz;
Gersfeld: jeden dritten Sonntag im Monat von 11 bis 17 Uhr in der Rhönmarkthalle Gersfeld, im Sommer am Marktplatz
Hilders: jeden Donnerstag von 8 bis 13 Uhr im Ortszentrum
Hünfeld: jeden Freitag von 8 bis 13 Uhr am Anger
Künzell: jeden ersten Freitag im Monat von 9 bis 14 Uhr in der „Neuen Mitte“, Hahlweg 37
Neuhof: jeden ersten Samstag im Monat (von Mai bis Oktober) von 11 bis 15 Uhr am Rathausplatz
Petersberg: alle zwei Wochen in der geraden Kalenderwoche freitags von 7.30 bis 12.30 Uhr am Rathaus
Rasdorf: jeden zweiten Freitag im Monat von 16 bis 20 Uhr an der B84.

Neben Adressen von Direktvermarktern findet man eine (noch nicht aktualisierte) Liste der Märkte im „Erlebnisführer Regionale Lebensmittel“. Dieser kann kostenfrei unter Telefon (0661) 6006-0 bestellt oder unter www.landkreis-fulda.de/regionale-lebensmittel heruntergeladen werden.

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