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Wege aus Streit und Anspannung: So bewältigen Sie Konfliktsituationen

Überall nur noch ein Thema, Eltern sind besorgt und Schulen, Kitas und Geschäfte sind geschlossen. Auch vermummte Menschen mit Atemschutzmasken verunsichern und ängstigen Kinder. Wie geht man am sinnvollsten mit den Befürchtungen der Jüngsten unserer Gesellschaft um? Und wie gestaltet man den Alltag, der es mit sich bringt, plötzlich täglich 24 Stunden zusammen zu sein?

Grundlegende Tipps

  • Bleiben Sie ruhig: Wenn Eltern selbst beunruhigt und ängstlich reagieren, wird sich dies auf Ihre Kinder übertragen. Eltern sollten deshalb ruhig und kindgerecht erklären, was man selbst tun kann und was von anderen Stellen unternommen wird. Reden Sie mit Erwachsenen über Ihre eigenen Ängste, um sich zu entlasten – Kinder sind hierfür keine geeigneten Gesprächspartner.
  • Klären Sie auf: Erklären Sie Ihren Kindern ruhig und altersangemessen, was das Corona Virus ist. Hier gilt je jünger Ihre Tochter oder Ihr Sohn sind, desto weniger detailreich sollten Ihre Erläuterungen sein. Erzählen Sie,  dass es sich beim Corona Virus um eine neue Erkrankung handelt, welche der Körper und die Ärzte noch nicht kennen. Fügen Sie unbedingt hinzu, dass im Moment mit Hochdruck an einem Mittel und einem Impfstoff gegen die Erkrankung geforscht wird, viele Krankheitsverläufe mild sind, Kinder selbst weniger gefährdet sind und was man selbst tun kann, um sich zu schützen.
  • Wenig Sozialkontakte: Sprechen Sie mit Ihren Kindern darüber, warum die geliebten Großeltern nicht besucht werden können – sie müssen besonders geschützt werden. Der Verzicht auf persönliche Kontakte mit Klassenkameraden und Freunden soll die schnelle Verbreitung des Virus verhindern, auch das können Kinder verstehen. Denn das Motto „Einer für alle – alle für einen“ macht Kindern klar, wie bedeutsam ihr persönlicher Beitrag zur Überwindung der Krise ist.
  • Rituale weiterführen: Wir wissen, dass gerade in Krisenzeiten eine gesunde Dosis von Ritualen helfen kann, um dem „Chaos“ und der Unvorhersehbarkeit des Alltags entgegen zu wirken. Rituale beruhigen und helfen, Stress zu bewältigen. Versuchen Sie daher eine gewisse Alltagsstruktur mithilfe von Lern-und Spielzeiten, gemeinsamen Mahlzeiten und eben den Gewohnheiten, die in Ihrer Familie Tradition haben, aufrechtzuerhalten. Vielleicht können Sie auch neue installieren, zusammen die Mahlzeiten zubereiten, Aufgaben im Haushalt verteilen oder ein Familientagebuch führen. Sicherlich haben Sie eigene kreative Ideen, die zu Ihrer Familie passen.
  • Erziehung in „Slow Motion“: Da wir alle nicht wissen, wie lange der familiäre „Ausnahmezustand“ noch dauert,  ist es wichtig, auf die eigenen Energiereserven zu achten und weniger hilfreich,  jetzt auf die beharrliche Einhaltung von Regeln, Konsequenzen und Co zu bestehen. Sie sollten nicht die komplette Anarchie in die Kinderzimmer einziehen lassen, aber etwas lockerer im Umgang mit Fernsehen, PC und Handy zu sein entlastet alle Beteiligten. Kinder können gut erkennen, wann es sich um eine Ausnahmesituation handelt und werden wieder in den Alltags Modus umschalten, wenn alles vorbei ist. Konsequenz in der Erziehung bedeutet nämlich, eine hohe Anpassungsfähigkeit an die aktuelle Situation verbunden mit dem nötigen Augenmaß zu finden und nicht das Durchsetzen starrer Regeln und Erwartungen.

Fragen und Antworten

Im Folgenden finden Sie Antworten auf Fragen, mit denen sich Eltern telefonisch an das Team der Fuldaer Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche gewendet haben. Diese können helfen, Wege aus Streit und Anspannung zu finden. 

  • Da meine Kinder jetzt den ganzen Tag zusammenhocken, gibt es ständig Streit – bis hin zu körperlichen Auseinandersetzungen.  Wie sollen wir uns am besten verhalten?

Es ist ganz normal, dass Geschwister streiten, und je mehr Ihre Kinder jetzt zusammen sind, desto häufiger ergeben sich natürlich Reibungspunkte und Eifersuchtssituationen. Schaffen Sie im Tagesablauf Nähe durch Distanz, indem den Kindern Möglichkeiten geboten werden, sich unabhängig voneinander zu beschäftigen. Wir nennen das Lernen von Geschwistern durch den Streit miteinander auch „Soziales Labor“, in dem Problemlösungsstrategien ausprobiert und erlernt werden. Das heißt: Wer setzt sich durch? Wie schließe ich Kompromisse? Wo lohnt es sich, eher nachzugeben? Kinder werden gerade in diesen Zeiten genau beobachten, welches Vorbild Sie als Eltern hierfür geben und Ihr Verhalten dementsprechend kopieren. Widerstehen Sie der Versuchung den Schiedsrichter zu spielen, sondern ermutigen und unterstützen Sie Ihre Kinder dabei, eigene Lösungen für Konflikte zu finden. Vergleiche wie „das konnte Lukas in deinem Alter schon viel besser“ oder „Maria hört viel besser als du“ verstärken Streitigkeiten statt diese zu entspannen. Manchmal werden Geschwisterstreitigkeiten auch körperlich ausgetragen. Geht dies über das normale Rangeln hinaus, sollten Eltern kurz und unmissverständlich verdeutlichen, dass körperliche Gewalt kein Mittel sein darf, sich durchzusetzen. Unterbrechen Sie deshalb Situationen, in denen Kinder sich gegenseitig wehtun. Schenken Sie bei heftigen Auseinandersetzungen dem Angreifenden keine Aufmerksamkeit, sondern dem Angegriffenen und kümmern Sie sich um dieses Kind.

  • Wegen der Enge und Nähe über einen langen Zeitraum hinweg spüre ich, wie ich ungeduldig werde und mich oft gestresst fühle. Was kann ich dagegen tun?

Aus der Stressforschung wissen wir, dass Menschen in Zeiten zahlreicher Herausforderungen auf einem deutlich erhöhten Stresspegel „laufen“ und oft nicht mehr auf ihre persönlichen Bewältigungsstrategien zurückgreifen können. Stattdessen reagieren Menschen auf die Überforderung mit wenig hilfreichem, eher fast kindischem Verhalten. Deshalb ist es gerade jetzt wichtig, sich sogenannte Inseln im Stressmeer zu bewahren oder neue zu schaffen. Auch wenn es paradox klingen mag, nutzen Sie Ihre sozialen Netzwerke, telefonieren oder chatten Sie mit Freundinnen und Freunden, um auf andere Gedanken zu kommen. Sprechen Sie in der Partnerschaft wechselseitig kinderfreie Zeiten ab, um etwas nur für sich zu tun. Nutzen Sie Zeiten, in denen Ihre Kinder beschäftigt sind oder schlafen, ganz bewusst nur für sich – der Haushalt kann warten! Ob es die genüssliche Tasse Kaffee, das Lesen der Zeitung oder das einfache Nichtstun ist –  tun Sie, was Sie entspannt. Um Stress abzubauen, sollten wir uns bewegen und viel trinken, das hilft, den Stoffwechsel in Gang zu halten und überschüssige Stresshormone zu reduzieren. Überlegen Sie, mit welchen Stärken und Strategien Sie ähnlich anstrengende Phasen bewältigt und überstanden haben und setzen Sie diese ein, um handlungsfähig zu sein.

  • Meine Nerven liegen blank! Was kann ich tun, wenn mein Kind gar nicht mehr auf mich hört?

Wenn Sie etwas von Ihrem Kind möchten, machen Sie eindeutige Ansagen. Zum Beispiel: „Ich möchte, dass du jetzt deine Jacke an die Garderobe hängst.“. Wenige Wörter sind besser als langatmige Erklärungen und ruhiges Sprechen ist besser als lautes Schreien. Wenn Sie möchten, dass Ihr Kind auf Sie hört, müssen Sie mit ihm in Kontakt treten. Schauen Sie Ihr Kind an, gehen sie auf Augenhöhe mit ihm, berühren sie es nachdrücklich. Von der Küche durch den Flur ins Kinderzimmer kann man kein Kind erziehen. Allerdings: Wer seinem Kind den ganzen Tag über sagt, was es tun und lassen soll, wird irgendwann nn auch nicht mehr gehört. Wollen Sie nicht zu viel auf einmal. Es muss auch „erziehungsfreie“ Zeiten geben. Vor allem jugendliche Kinder fordern diese ein. Wenn das nicht fruchtet, Ihr Kind weiterhin trotzig und wütend reagiert, Sie mit endlosen Warum-Fragen und Gegenargumenten peinigt oder Sie ignoriert, was dann? Natürlich können Sie Konsequenzen aussprechen, Ihr Kind in sein Zimmer schicken, Fernseh-, Handy- Computerverbot erteilen, ihm eine „Dienstleistung“ verweigern usw. Solche Strafen auszusprechen, gehört zum pädagogischen Standardprogramm vieler Eltern. Aber sie nutzen sich ab, manche Kinder scheinen resistent dagegen zu sein. Daher hilft manchmal  ein deutlicher Blick, gekonntes Schweigen, das Abwenden vom Kind oder das Verlassen der Situation. Sie setzen einfach den Konflikt nicht fort. Das macht deutlich, dass an dieser Stelle alles gesagt ist und es erhöht den Druck auf das Kind. Und auch: Wer aus dem Konflikt heraus geht, kann besser überlegen, was er besser tun könnte – Eltern wie Kinder. Auch wenn der Konflikt hier nicht gelöst ist, kann solches Elternverhalten Eskalationen vermeiden. Es ist es besser, in einem Konflikt mit dem Kind nicht „konsequent um jeden Preis“ zu sein. Besonders, wenn es drohte, dass sich die Eskalation in Brüllen, Abwerten, Einschließen oder gar Schlagen auswachsen würde. Sie sind der Erwachsene und es ist Ihre Aufgabe, rechtzeitig auszusteigen. Auf jeden Fall lieber inkonsequent als gewalttätig. Zwei Stunden später, abends auf der Bettkante oder am nächsten Tag lassen sich die Dinge meist sehr unaufgeregt besprechen und klären. Nutzen Sie es, dass Sie Geduld haben können, Kinder haben keine.

  • Mein Mann und ich durchleben eine angespannte Paarsituation. Wa könnte uns nun helfen, um nicht ständig aneinanderzugeraten?

Wo Familien zusammenleben, prallen verschiedene Ansichten und Bedürfnisse aufeinander. Gerade in der aktuellen Situation muss nun ein Zusammenleben auf engem Raum und reduzierten Sozialkontakten funktionieren. Eltern sind gefordert, Paarkonflikte ruhen zu lassen, möglicherweise eine Art Waffenstillstand zu vereinbaren, um Schaden von den Kindern abzuwenden. Es ist erwiesen, dass destruktiver Streit der Eltern vor den Kindern schädliche Auswirkungen hat. Elternkooperation ist gefragt, egal ob Eltern getrennt sind oder zusammenleben. Um Eskalationen zu vermeiden, hilft eine Streitkultur: Nicht verletzend werden –Beleidigungen und Respektlosigkeiten helfen nicht dabei, eine Lösung zu finden. Hören Sie ihrem Partner/Ihrer Partnerin aufmerksam zu und versuchen, sich in ihn hinzuversetzten. Ständige Unterbrechungen sind nicht hilfreich. Versuchen Sie so oft wie möglich, wertschätzende Formulierungen den Kindern aber auch dem Partner/der Partnerin gegenüber in den Alltag einzubauen: „Das ist eine gute Idee.  Danke, dass Du mich unterstützt. Das hast du gut gemacht. Das macht doch nichts. Du bist sehr aufmerksam. Versuch es doch noch einmal. Das ist toll. Wir schaffen das. Entschuldigung.“ Es hilft  Absprachen zu treffen, wie der Tag strukturiert werden kann und welche Aufgaben von Vater oder Mutter bei der Kinderbetreuung und Bewältigung des Alltags übernommen werden. An welchen Stellen funktioniert eine gegenseitige Entlastung, welche Ressourcen können genutzt werden. Wenn es einmal kracht, ist es für Kinder wichtig zu sehen und zu erleben, dass Eltern sich beim Partner entschuldigen und eine Versöhnung mit einem lieben Wort und einer Umarmung stattfindet.

Kontakt

Aufgrund steigender Zahlen von Erkrankungen und Verdachtsfällen in Zusammenhang mit Corona finden derzeit keine persönlichen Beratungen in der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche statt. Die Beratungsstelle ist aber weiterhin erreichbar: unter Telefon (06 61)  901578-0 oder per Mail unter erziehungsberatung(at)landkreis-fulda.de. Infos auch unter www.erziehungsberatung-fulda.de

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