Erdwärmenutzung

Die Gewinnung von Wärme aus dem Grundwasser, aber auch aus der Erde, stellt eine Maßnahme dar, die geeignet sein kann, dauernd oder in einem nicht nur unerheblichen Ausmaß schädliche Veränderungen der physikalischen, chemischen und biologischen Beschaffenheit des Grundwassers herbeizuführen. Für die Errichtung und den Betrieb einer solchen Wärmegewinnungsanlage oder einer entsprechenden Anlage zur Gebäudekühlung ist daher grundsätzlich eine wasserbehördliche Erlaubnis erforderlich. 

Es gibt verschiedene Formen der Erdwärmegewinnung. Am häufigsten erfolgt die Gewinnung über folgende Systeme:

1. Erdwärmesonden

Erdwärmesonden entziehen dem Boden und dem Grundwasser Wärme oder erwärmen diese und können wegen der Verwendung wassergefährdender Flüssigkeiten als Wärmeträgermittel und durch die Bohrung sowie einen nicht ordnungsgemäßen Ausbau der Bohrung eine Gefährdung für das Grundwasser bewirken. Die Errichtung und der Betrieb einer Erdwärmesondenanlage sind daher als erlaubnispflichtige Benutzung des Grundwassers anzusehen.

Zudem ist Erdwärme ein sogenannter bergfreier Bodenschatz, so dass die Gewinnung und Nutzung von Erdwärme zusätzlich auch dem Bergrecht unterliegen und grundsätzlich auch einer bergrechtlichen Zulassung (bergrechtliche Bewilligung) bedürfen.

Im Regelfall ist jedoch eine wasserrechtliche Erlaubnis ausreichend, wenn die Gewinnung und Nutzung der Erdwärme

  • im Rahmen der baulichen Nutzung für ein Ein- oder Zweifamilienhaus,
  • mit einer Heizleistung der Wärmepumpe bis 30 kW,
  • innerhalb eines Grundstückes (im grundbuchrechtlichen Sinne),
  • ohne Beeinflussung eines Nachbargrundstückes (mind. 5 m Abstand der Bohrpunkte zu den Grundstücksgrenzen)

erfolgt. Bergrechtliche Belange sind aber ggfls. durch Beteiligung der zuständigen Bergaufsicht im wasserbehördlichen Erlaubnisverfahren mit zu berücksichtigen.

 

Besonderheiten aufgrund des Vorhabenstandorts

Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) hat zur Beurteilung einer möglichen Grundwassergefährdung eine Karte zur Standortbeurteilung für Hessen erstellt (http://gruschu.hessen.de). Aufgrund unterschiedlicher hydrogeologischer und wasserwirtschaftlicher Gegebenheiten wird in günstige, ungünstige und unzulässige Standorte für Erdwärmesonden unterschieden.

In Trinkwasserschutzgebieten (WSG I, II und IIIA) sowie in Heilquellenschutzgebieten (HQSG I, II, III/1 und A) ist im Hinblick auf den besonderen Schutz des Trinkwassers die Errichtung von Erdwärmesondenanlagen generell unzulässig.

An ungünstigen Vorhabenstandorten ist von der Wasserbehörde im Erlaubnisverfahren als Beurteilungsgrundlage ein hydrogeologisches Gutachten einzuholen. In der Regel ist eine Erdwärmesondenanlage hier nicht unzulässig. Es sind aber regelmäßig erhöhte Auflagen hinsichtlich der Maßnahmendurchführung (z.B. erhöhte Vorgaben zum Bohr- und Verpressvorgang, ggfs. Begleitung und Dokumentation der Bohrung durch einen unabhängigen Geologen) und des Anlagenbetriebs (i.d.R. Nachweis eines frostfreien Betriebs) zu erwarten.

 Der Landkreis Fulda ist aufgrund der hier vorkommenden Bodengeologie (abgesehen von den unzulässigen Bereichen) komplett als ungünstig eingestuft, so dass regelmäßig ein hydrogeologisches Gutachten des HLNUG zur oberflächennahen Geologie einzuholen ist. Die Kosten des Gutachtens belaufen sich i.d.R. (Vorhaben bis 30 kW) auf 200 € und sind vom Antragsteller zu tragen. Eine entsprechende Kostenübernahmeerklärung ist bei der Antragstellung mit vorzulegen.

 

Besonderheiten bei Bohrungen tiefer 100 m

Bergrecht

Bohrungen, die tiefer als 100 m in den Boden eindringen, sind der Bergbehörde anzuzeigen und unterliegen i.d.R. der Bergaufsicht.

Standortauswahlgesetz

Nach dem Gesetz zur Suche und Auswahl eines Standortes für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle - Standortauswahlgesetz (StandAG) dürfen Bohrungen, die tiefer als 100 m in den Boden eindringen, nur zugelassen werden, wenn:

  • das HLNUG nach Prüfung der zu erwartenden tieferen Geologie am geplanten Standort zu dem Ergebnis kommt, dass das Vorhaben nach § 21 StandAG grundsätzlich zugelassen werden kann. Die Kosten für das Gutachten nach § 21 StandAG sind ebenfalls vom Antragsteller zu tragen. Eine diesbezügliche Kostenübernahmeerklärung ist auch hier bei der Antragstellung mit vorzulegen.
  • das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit auf Grundlage des HLNUG-Gutachtens und der wasserbehördlichen Stellungnahme das Einvernehmen zur Durchführung des Vorhabens erklärt.

Die Prüfung der Zulässigkeit einer Erdwärmesondenbohrung mit einer Tiefe > 100 m gemäß Standortauswahlgesetz, erfolgt im Rahmen des wasserbehördlichen Erlaubnisverfahrens. Diese kann sich hierdurch ggfl. zeitlich um mehrere Wochen verlängern.

Weitere Informationen zur Erdwärmenutzung in Hessen, Antrags- und Anzeigeformulare, sind im Leitfaden "Erdwärmesondenanlagen zum Heizen und Kühlen" des HLNUG veröffentlicht (https://www.hlnug.de unter  dem Thema  Wasser > Erdwärme/Geothermie > oberflächennahe Geothermie).

 hier: Antragsformular Erdwärmesonden (vom Jan. 2017)

2. Erdwärmekollektoren

Erdwärmekollektoren gewinnen keine Erdwärme im bergrechtlichen Sinne, sondern nutzen die von der Sonne in den Boden eingestrahlte Wärmeenergie.

Liegen die Anlagen im Trinkwasser-/ Heilquellenschutzgebiet oder die Kollektoren weniger als 1 m über dem höchsten Grundwasserstand, sind jedoch negative Auswirkungen auf das Grundwasser (durch die flächige Bodenaufdeckung, den Wärmeentzug und eingesetzte wassergefährdende Wärmeträgermittel) zu befürchten. In diesen Fällen kann daher eine wasserrechtliche Erlaubnis erforderlich sein.

hier: Antragsformular für Erdwärmekollektorenanlagen

3. Grundwasserwärmepumpe

Zur Wärmegewinnung werden ein oder mehrere Brunnen niedergebracht und eine sogenannte Wasser-Wasser-Wärmepumpenanlage errichtet. Dabei erfolgt die Wärmegewinnung über das Grundwasser selbst. Aufgrund dieser Benutzung und der hierdurch möglichen Gefährdung für das Grundwasser sind diese Anlagen wasserrechtlich erlaubnispflichtig.

hier: Antragsformular für Grundwasserwärmepumpen

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