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830.000 Euro für Landkreis-Projekt zur Entwicklung eines Starkregenfrühalarmsystems.

Hochwasser Anfang 2021: die Fliede bei Kerzell. Fotos: Landkreis Fulda

Der Döllbach Anfang 2021 zwischen Hattenhof und Kerzell.

Hochwasser Anfang 2021: Die Wanne zwischen Dipperz und Margretenhaun.

„Hochinnovatives Projekt mit Strahlkraft“: 830.000 Euro vom Land Hessen

LANDKREIS FULDA. Der Landkreis Fulda ist hessische Pilotregion für das innovative Digitalisierungsprojekt „eRisikomanagement – Starkregenfrühalarmsystem“. Aus dem Landesprogramm „Starke Heimat Hessen“ fließen rund 830.000 Euro zur Förderung smarter Kommunen und Regionen an den Landkreis. Den Bescheid hat Landrat Bernd Woide von Prof. Dr. Kristina Sinemus, Staatsministerin für Digitale Strategie und Entwicklung bei einer digitalen Pressekonferenz erhalten. „Ich bin stolz darauf, dass wir solch innovative Landkreise in Hessen haben, und ich danke dem Landrat und seinem Team für den Mut, dieses Projekt auf den Weg zu bringen. Die Jury war von Ihrem Antrag hochbegeistert“, sagte sie.

Landrat Woide dankte herzlich für die Unterstützung aus dem Programm „Starke Heimat“: „Das Projekt zielt auf eine gebietsgenaue Alarmierung und Abwehr von Starkregen- und Sturzflutgefahren auf digitaler Basis. Das ist gerade auch für uns als Mittelgebirgsregion ein wichtiges Thema. Kernpunkt dieses innovativen Projektes ist darüber hinaus, dass das, was der Landkreis entwickeln wird, auch allen anderen Landkreisen, Städten und Gemeinden zur Verfügung stehen soll.“

Bereits im Frühjahr dieses Jahres hatte sich die Untere Wasserbehörde des Landkreises unter Leitung von Ramona-Margarita Ruppert aufgrund von Überschwemmung infolge kräftiger bis extremer Niederschlagsereignisse mit diesem Themenfeld befasst. Schon im Mai wurde die Projektskizze eingereicht und der Antrag schließlich im Juli gestellt. Nun kam die gute Nachricht, dass das Hessische Ministerium für Digitale Strategie und Entwicklung das Digitalisierungsvorhaben des Landkreises als zukunftsfähig erachtet, finanziert – und sich Erkenntnisse und Ergebnisse für den Transfer und die Nutzung in anderen Regionen verspricht.

In der Planungsphase sind die Gemeinden Burghaun, Ebersburg, Eichenzell und Neuhof als Pilotkommunen benannt worden. Auf diesen wird im ersten Projektjahr der Fokus liegen. Im zweiten Jahr geht es darum, das Projekt auf den gesamten Landkreis auszuweiten. „Ziel ist es, ein Frühalarmsystem zu installieren, das in Echtzeit Niederschlag, Pegelstände und Abflussverhalten misst und unter anderem mit den Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes kombiniert. Beim Erreichen kritischer Werte soll das System Verwaltung, Rettungskräfte und Bürgerschaft alarmieren“, erläuterte die Fachdienstleiterin und ergänzte: „Wir freuen uns sehr, dass wir mit diesem Projekt den Grundstein für ein innovatives Starkfrühalarmsystem legen dürfen, an dem auch zukünftige Technologien andocken können. Davon kann nicht nur die Region, sondern ganz Hessen profitieren.“

Große Anerkennung gab es auch von Prof. Uwe Rüppel, der das eingereichte Projekt begutachtet hatte: „Ich sehe es als ein Leuchtturmprojekt mit Strahlkraft über Hessen hinaus. Es kann zum einen wirklich helfen, die Menschen zu sensibilisieren. Zum anderen hat es ein riesiges Potenzial um erhebliche Sach- und Personenschäden mindestens zu reduzieren.“

Mit der Übergabe des Bewilligungsbescheides ist das Projekt offiziell gestartet. Mit Beginn des neuen Jahres wird es eine Auftaktveranstaltung für die Pilotkommunen geben, um die nächsten Schritte und die Priorisierung der Aufgaben abzusprechen. Zur fachlichen und organisatorischen Unterstützung hat der Landkreis eine Ingenieurstelle ausgeschrieben und mittlerweile besetzt. Konkret geht es der Unteren Wasserbehörde aktuell um eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Pegel im Kreisgebiet sowie jener Pegel, die vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie verwaltet werden. Insgesamt sind das 18 unterschiedlichste Pegel an den größeren Gewässern im Landkreisgebiet. Eine weitere Informationsquelle sind die sogenannten Starkregengefahrenkarten, die von einigen Kommunen bereits für häufig von Überschwemmungen betroffene Gemeindegebiete erstellt worden sind. Wichtig sind auch die Kenntnisse und Erfahrungen der Bürgerinnen und Bürger, die beispielsweise Gefahrenpotenziale von kleineren Engstellen kennen.
All diese Messstellen und Daten sollen zusammengetragen werden, um die Standorte der neuen Messtechnik präzise zu bestimmen und festzulegen. Damit gemeint sind etwa neue Pegel an Gewässern, Kanalwächter zur Überwachung des Abflussverhaltens in der Kanalisation und Basisstationen für Niederschlagsmessungen. Diese Echtzeitdaten werden in einer Cloud gesammelt und mit weiteren Informationen wie Regenprognosen, Radar- und Geländedaten zusammengeführt und einer Auswertungsroutine unterworfen, die auf künstlicher Intelligenz basiert.  In der Konsequenz führt das System zu einer Reihe wichtiger Erkenntnisse: So dienen die Informationen der Bürgerinnen und Bürger zum Schutz ihrer Liegenschaften. Für die kommunale Ebene ist es eine Basis, um Entscheidungen darüber zu treffen, wo Flächen notwendig sind, um Wasser zurückzuhalten. Und nicht zuletzt ist es behördlicherseits für die Gefahrenabwehr ein großer Vorteil, im Optimalfall früher reagieren zu können. 

Der Eigenanteil des Kreises beläuft sich auf rund 92.000 Euro.

 

 

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