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Erstellt:  Freitag, 14. Juni 2019

Das Staatliche Schulamt Fulda lud zum zweiten Mal zur „LAN-Party“ ein / Verstehen statt blind verbieten

Medienpädagoge Felix Rudolph-von Niebelschütz (2.v.r.) rettet gerade mit elan-Vertreterin Martina Gilbert (r.) und anderen Eltern ein Raumschiff vor dem Verglühen – und zeigt, dass digitale Spiele wie „Spaceteam“ auch Erwachsenen Spaß machen können und zudem Reaktionsvermögen und Teamgeist fördern.  Foto: Sandra Limpert

Medienpädagoge Felix Rudolph-von Niebelschütz (2.v.r.) rettet gerade mit elan-Vertreterin Martina Gilbert (r.) und anderen Eltern ein Raumschiff vor dem Verglühen – und zeigt, dass digitale Spiele wie „Spaceteam“ auch Erwachsenen Spaß machen können und zudem Reaktionsvermögen und Teamgeist fördern. Foto: Sandra Limpert

„Fortenite-Fortbildung“ für Eltern

FULDA. Draußen Schwimmbad-Wetter – aber in der Freiherr-vom-Stein-Schule zocken 20 Mütter und Väter „Fortenite“ und „Minecraft“. Sie wollen verstehen, was ihren Nachwuchs an diesen sowie ähnlichen Spielen fasziniert und ob der Konsum schadet.

„Ich bin nicht hergekommen, um so einen Mist zu spielen“, kommentierte eine Mutter, nachdem die Referenten Clemens Groß und Felix Rudolph-von Niebelschütz ein Video des populären Spiels „League of Legends“ (LoL) präsentiert hatten. Sie habe sich vielmehr Tipps erhofft, wie man die Kinder „davon wegbekommt“. Ratschläge für einen vernünftigen Umgang mit diesen neuen Medien gab es selbstverständlich auch im Lauf der Veranstaltung, zu der das Staatliche Schulamt Fulda im Rahmen der „elan“-Kooperation mit dem Landeselternbeirat Hessen eingeladen hatte; allerdings war die kritische Dame da bereits gegangen.

Die anderen Teilnehmenden hingegen, darunter elan-Vertreterin Martina Gilbert, ließen sich offen auf die „LAN-Party für Eltern“ ein. „Keine andere unserer Fortbildungen wird so gut angenommen“, sagt die ehemalige langjährige Kreiselternbeiratsvorsitzende. Deshalb sei geplant, das Angebot einmal jährlich ins Programm von „Eltern schulen aktive Eltern“ (elan) aufzunehmen. Bei „Team Fortress“ kamen sich die beiden Sechser-Teams erst einmal recht „planlos“ vor, wie ein Vater zugab. Nach anfänglichen Hemmungen, die Gegner „abzuschießen“, wurde nach einer Weile mit dem gleichen Spaß herumgeballert wie bei Brettspielen „herausgeworfen“.

„Wenn Blut spritzt, sind die Spiele frühestens ab 16 Jahren frei gegeben“, erläuterte Rudolph-von Niebelschütz, Medienpädagoge bei der Fuldaer Firma „filmreflex“. Clemens Groß, Gastgeber sowohl in seiner Funktion als „Leiter pädagogische Unterstützung des Staatlichen Schulamts“ als auch als Lehrer der Freiherr-vom-Schule, führte aus, dass er Gewalt in Computerspielen nicht per se verurteile, weil solche Szenen genauso zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Entwicklungen dazugehörten wie in manchen Filmen oder Büchern. „Aber das, wie zum Beispiel ‘GTA‘, ist Unterhaltung für Erwachsene!“, betonte er und riet Eltern, sich an die USK-Empfehlung des Handels zu halten. Zudem gebe es Spiele, die als jugendgefährdend eingestuft seien und auf dem Index stünden. Bei Online-Spiele ohne Altersfreigabe wie Fortenite könnten Links (siehe Infokasten) Orientierung bieten. Daher sei es wichtig, dass sich Erziehungsberechtigte dafür interessierten, was ihre Kinder spielten. „Am besten probieren Sie Neues gemeinsam mit Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter aus, um gegebenenfalls ein begründetes Verbot aussprechen können.“ Einfach verbieten funktioniere nicht, sondern mache die Sache nur umso reizvoller, bestätigten zwei Väter.

Ein Anwesender wollte wissen, wie es die Industrie schaffe, die Spieler süchtig zu machen. Rudolph-von Niebelschütz relativierte, dass die Spiele-Industrie nicht darauf abziele, abhängig zu machen, wohl aber in Kauf nehme, dass dies einem Teil ihrer Kunden widerfahre. „Diese Gefahr besteht, wenn die einzigen Erfolgserlebnisse in der virtuellen Welt zustande kommen, weil das soziale Umfeld nicht intakt ist. Dann ist das Zocken für die Betroffenen aber die Medikation, nicht der Auslöser für die Probleme.“

Die heutige Elterngeneration stehe vor der Herausforderung, ihrem Nachwuchs einen maßvollen Umgang mit den neuen Medien beizubringen, ohne dabei – anders als beim Konsum von Süßigkeiten oder Alkohol – auf eigene Erfahrungen zurückgreifen zu können. Während Jüngere ihre Spielerlebnisse gerne mit ihren Eltern teilen würden, diente das Zocken in der Pubertät dazu, sich abzugrenzen. Früher sei dies mit Medien wie Theater, Kino oder Rockmusik geschehen. Auf keinen Fall ließen sich Computerspiele ignorieren: Die Weltmeisterschaften im „E-Sport“ füllten ganze Stadien, Preisgelder der Profi-Gamer bewegten sich im Millionenbereich.

Eine weitere geäußerte Sorge war die, ob die Kinder durch das Zocken am PC die soziale Interaktion in der „realen“ Welt verlernten. Das Gegenbeispiel lieferten vier Teenager des „Offenen Labors Fulda“ (OLaF - eine schulübergreifende AG, die Clemens Groß leitet): Sie assistierten den Referenten und halfen den Teilnehmenden höflich und mit viel Geduld beim Ausprobieren der Spiele. 

Info

Internet-Seiten, die Eltern Orientierungshilfe bieten

www.spieleratgeber-nrw.de

www.spielbar.de

www.klicksafe.de (Sucheingabe: Digitale Spiele, digitale Abhängigkeit, Mediennutzungsvertrag)

www.usk.de

www.surfen-ohne-risiko.net

www.flmrflx.de/2k

WEITERE SERVICE SEITEN für alle Mitbürger(innen)

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