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Neue Wege zur Förderung der Pflanzenvielfalt in der Rhön

Bei der Präsentation des eBeetle auf der Wasserkuppe (von links): Michael Köhler, Martin Seuring, Landrat Bernd Woide, Jonas Thielen (Life-Projekt), Torsten Raab (Leiter des Biosphärenreservates) und Stefan Weber. Foto: Leoni Rehnert

Bei der Präsentation des eBeetle auf der Wasserkuppe (von links): Michael Köhler, Martin Seuring, Landrat Bernd Woide, Jonas Thielen (Life-Projekt), Torsten Raab (Leiter des Biosphärenreservates) und Stefan Weber. Foto: Leoni Rehnert

Die Rhön wird bunter: Mit dem eBeetle auf Samenernte

FULDA/WASSERKUPPE –  30.08.18 Die Rhön muss wieder bunter und vielfältiger werden. Einen Beitrag dazu soll ein neuartiges Gerät leisten, das der Landkreis Fulda jetzt angeschafft hat: Mit dem sogenannten eBeetle werden wertvolle Samen von Rhöner Wiesen geerntet und dort eingesät, wo diese wichtigen Pflanzen kaum oder gar nicht mehr wachsen. Damit werden vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten gerettet und ihr Vorkommen vergrößert. „Diese Samen sind original und nicht als Standardmischung Rhöner Land in der Gärtnerei oder gar im Supermarkt zu kaufen“, sagt Landrat Bernd Woide.

Der Umfang artenreichen Grünlandes ist in den letzten Jahrzehnten auch in der Rhön stark zurückgegangen. Die bunten Wiesen, die lange das Bild der Rhön geprägt haben, verschwinden zusehends. Intensive Bemühungen des Fachdienstes Natur und Landschaft und des Biosphärenreservats in Kooperation mit den Landwirten, die noch vorhandenen Bestände zu schützen, konnten den Rückgang verlangsamen und viele Flächen erhalten. „Aber es braucht mehr, um eine Kehrtwende zu schaffen und aus artenarmen Beständen artenreiches Grünland zu entwickeln“, sagt Martin Seuring, Leiter des Fachdienstes Natur und Landschaft beim Landkreis. Überdies sei es langfristiges Ziel, auch im weiteren Fuldaer Land vom Einheitsgrün wegzukommen und artenreiche Flächen zu initiieren – dort mit anderen wertigen Pflanzen. „Sukzessive werden wir in den nächsten Jahren auch die Flachland-Mähwiesen mit dem eBeetle beernten. Dann können wir auch im Flachland selten gewordene Pflanzengesellschaften wieder herstellen“, blickt Michael Köhler vom Fachdienst Natur und Landschaft bereits in die Zukunft.

Fast geräuschlos surrt der eBeetle, mit dem Stefan Weber, Biolandwirt aus Schwarzerden, in den vergangenen Wochen bereits etliche Fuhren Samen geerntet hat. Er hat langjährige Erfahrungen in Agrarumwelt- und anderen Naturschutzmaßnahmen, und sein Betrieb liegt außerdem räumlich günstig zu den entsprechenden Flächen. Für den Kreis ist er jetzt in den Höhenlagen der Rhön unterwegs, um die Samen bedrohter Arten zu sichern. Sie werden auf einem Tuch gesammelt, während der Trocknung mehrfach gewendet und vor der Aussaat im nächsten Jahr gesichtet. Hochwertiger Borstgrasrasen ist darunter, ebenfalls  Gold- und Glatthaferwiesen, die sich über Jahrhunderte durch landwirtschaftliche

Nutzung entwickelt haben. Sie sind aus mehreren Gründen wertvoll, beispielsweise für viele  Insekten- und Vogelarten, die in stark gedüngten Vielschnittwiesen nicht existieren können.  Ihr Überleben hängt davon ab, dass es magere und artenreiche Wiesen gibt. „Mit dem eBeetle greifen wir der Natur ein wenig unter die Arme. Übrigens: Das ist hessenweit einzigartig“, sagt Bernd Woide.   

Hintergrund

Landwirtschaftliche Nutzfläche (im FFH-Gebiet Hochrhön): 2.100 ha
Aktueller Bestand artenreicher Wiesen (im FFH-Gebiet Hochrhön):
Borstgrasrasen: 125 ha (etwa 20% Verlust seit 2000)
Berg-Mähwiesen: 200 ha (30 bis 40% Verlust seit 2000).
Das entspricht 13 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche.
 

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