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Gesprächsgruppe des Landkreises Fulda / Bei Belastungen in der Schwangerschaft und/oder nach der Geburt

Foto: KeronnArt/stock.adobe.com

Mütter machen Mut

FULDA. Das erwartete Kind ist da und plötzlich kommt alles anders. Statt Mutterglück nur Tränen, Unsicherheit und Angst. Dieses Phänomen ist nicht selten, denn weitaus mehr Frauen als angenommen geraten nach der Geburt eines Kindes in eine seelische Krise. Um Mütter in dieser Phase zu unterstützen, hat der Landkreis Fulda eine geschlossene Gesprächsgruppe ins Leben gerufen, die den Müttern Mut machen soll.

„Es gibt Wege, um aus dieser Krise herauszukommen. Mit der Gesprächsgruppe möchten wir einen Raum für die oft tabuisierten Bereiche der Krisen vor und nach der Geburt schaffen. Dabei sollen Frauen mit ähnlichen Erfahrungshintergründen zusammenkommen und offen und vertrauensvoll kommunizieren können“, sagt Ute Weber vom Sozialpsychiatrischen Dienst des Landkreises Fulda, die die Gesprächsgruppe leitet.

Eine postpartale Depression kann jeden treffen. 50 – 80 % aller Mütter sind nach der Geburt von einem Stimmungstief (Baby Blues) betroffen. Dieser tritt meist in den ersten 14 Tagen nach Entbindung auf und dauert nur wenige Stunden bis maximal einige Tage an. Der Baby Blues ist zeitlich begrenzt, nicht behandlungsbedürftig und eine Folge der körperlichen, hormonellen und psychischen Umstellung. Wenn das Stimmungstief länger als zwei Wochen anhält, kann dies ein Anzeichen einer Depression sein. Etwa 10-20% aller Mütter entwickeln eine mehr oder minder schwere Form der Depression während oder nach der Schwangerschaft. Sie haben ein mangelndes Selbstwertgefühl vor allem im Hinblick auf ihre Rolle als Mutter, sie fühlen sich oft als schlechte Mutter, die versagt und alles falsch macht. Betroffene Frauen fühlen sich oft alleine gelassen. Die psychischen Krisen rund um die Geburt sind immer noch ein Tabuthema. Es wird um sie herum immer nur über die schönen Seiten des Mutterseins gesprochen. Wenn eine betroffene Frau darüber spricht, begegnet sie in der Gesellschaft Sätzen wie:“ reiß dich zusammen“, „du wolltest das Kind doch“… Wer davon betroffen ist, hat keine Schuld daran und ist auch nicht alleine. Für diese Frauen ist es hilfreiche zu erfahren, dass es anderen Müttern ähnlich ergeht und welche Wege es aus der Krise gibt. Aus diesem Grund wurde diese Gesprächsgruppe ins Leben gerufen.

„Ich war sehr glücklich, in dieser Gruppe endlich meine Ängste und Gedanken offen ansprechen zu können, ohne dafür vielleicht komische Blicke oder Bemerkungen zu bekommen“, sagt eine Mutter. „Das Gefühl, in dieser Gruppe nicht be- oder verurteilt zu werden, ist mir einfach enorm wichtig.“ Auch der Austausch untereinander ist für die Frauen sehr wertvoll. Eine andere Mutter sagt: „Bei vielen läuft nach der Geburt einfach alles glatt. Deshalb verstehen manche nicht, dass man nach der Geburt nicht immer überglücklich ist oder keine Gefühle für das Kind entwickelt hat. Das führt dazu, dass ich mich wirklich schlecht und vor allem nicht verstanden gefühlt habe. In der Gruppe kann ich alle meine Ängste und Gefühle aussprechen.“

Weber weist darauf hin, dass Mütter auch kommen können, wenn das Kind schon länger auf der Welt ist. „Unbehandelt kann eine postpartale Depression chronisch werden – von alleine geht sie meist nicht weg. Wenn Mütter denken, die Gruppe könnte etwas für mich sein, dürfen sie sich gerne bei mir melden.“ Eine Mutter merkt an: „Das Gespräch mit Ute tut einfach so gut. Frauen sollen sie einfach anrufen – sie bekommen direkt Hilfe von ihr.“ Grundlegend gilt: Dauert die Depression oder das Stimmungstief nach der Geburt länger als zwei Wochen, sollten sie sich professionelle Hilfe suchen.

Ute Weber erklärt, dass es in der Gesprächsgruppe keinen festen Themenkatalog gibt. „Jede Teilnehmerin kann Themen ansprechen, die ihr aktuell wichtig sind. Wir sind in der Gestaltung unserer Treffen komplett frei“. Jede Teilnehmerin gibt nur so viel von sich preis, wie sie möchte. Wünsche und Erwartungen werden versucht zu klären“, fügt sie hinzu.

Dies ist für viele der Teilnehmerinnen ein großer Vorteil: „Ich habe immer das Gefühl, dass ich hier alles ansprechen kann. Die Gruppe gibt mir Kraft und bietet mir eineinhalb Stunden, in denen ich mich nur um mich kümmern kann“, so eine Mutter. Gelernt habe sie in der Gruppe zudem, klar ihre Bedürfnisse zu kommunizieren – vor allem um Verantwortung und Aufgaben an den Mann, die Schwiegereltern oder die Familie abzugeben. „In meiner dunklen Mutterzeit ist diese Gruppe ein Diamant“, urteilt die Mutter abschließend. „Der Name ist definitiv Programm!“

Info
Die Gesprächsgruppe ist eine geschlossene Kleingruppe von maximal fünf bis zehn Frauen. Sie findet sechs Mal alle zwei Wochen statt und dauert 1,5 Stunden. Die Teilnehmerinnen können ihre Babys zur Gruppe gerne mitbringen. Der nächste Kurs beginnt am 30. März, Anmeldungen sind telefonisch unter (0661) 6006-6059 oder -6063 möglich. Die Gruppe wird von Ute Weber (Fachkrankenschwester für Psychiatrie und systemische Therapeutin mit langjähriger Erfahrung) geleitet.

Väter
„Wir reden immer nur über Frauen. Aber auch Männer können von der postpartalen Depression betroffen sein. Auch sie möchte ich ermutigen, sich beim Sozialpsychiatrischen Dienst zu melden“, sagt Ute Weber. Hinweis: www.schatten-und-licht.de

 

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