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Schutz für bedrohten Bodenbrüter

Wachtelkönig / Foto: Torsten Kirchner

Teilmahd durch Landwirt Winfried Schiffhauer im September 2021 auf der Melpertser Hute. Bei einer identischen Teilmahd am Mathesberg konnten im vergangenen Jahr Wachtelkönige nachgewiesen werden. / Foto: Sebastian Mannert

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Aufzeichnung des Vortragsabends der Reihe "In der Rhön, für die Rhön" mit zwei Vorträgen zum Thema Wachtelkönig und Mauersegler im Landkreis Fulda.

Dem Wachtelkönig wird im Landkreis geholfen

LANDKREIS FULDA Er lebt so gut versteckt zwischen den Gräsern der Rhöner Bergwiesen, dass ihn bisher nur wenige zu Gesicht bekommen haben: Der Wachtelkönig steht im Artenschutz im Landkreis Fulda besonders im Fokus. Warum Maßnahmen zu seinem Schutz und Erhalt eine Herausforderung sind, und welche Erfolge sie trotz dessen bisher gebracht haben, wurde nun bei einem Vortragsabend der Reihe „In der Rhön, für die Rhön“ vorgestellt.

Die Vortragsreihe wird von der Bayerischen Verwaltung des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön organisiert. Das Biosphärenreservat erstreckt sich über das Mittelgebirge Rhön in Bayern, Hessen und Thüringen – fast die Hälfte der Fläche des Landkreises Fulda gehört dazu. Aus der Auszeichnung der Rhön als UNESCO-Biosphärenreservat ergibt sich eine besondere Verantwortung für zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten – insbesondere auch für die Vogelwelt. Grundlage ist das europaweite Schutzgebietsnetz Natura 2000 und die damit verbundene Ausweisung von Flora-Fauna-Habitat-Gebieten (FFH) und Vogelschutzgebieten (VSG). In den Wäldern – diese machen etwa die Hälfte der Fläche im VSG Hessische Rhön im Landkreis Fulda aus – leben Arten wie Schwarz- und Grauspecht und Sperlingskauz. In den Übergangsgebieten zwischen Wald und Offenland sind Arten wie Schwarzstorch und Raubwürger zu Hause. Besonders stark bedroht sind allerdings die Bodenbrüter im Offenland: Hierzu zählen Braunkehlchen, Grauammer und Wachtelkönig. Für den Wachtelkönig ist die Rhön aus hessischer Sicht mit großem Abstand die wichtigste Region. Das hatte zuletzt das Monitoring im Jahr 2021 gezeigt: Allein auf hessischer Seite wurden 20 Wachtelkönig-Reviere gezählt – das entspricht zwei Dritteln aller Reviere in Hessen. „Nimmt man Thüringen und die Lange Rhön auf bayerischer Seite dazu – hier ist der Wachtelkönig noch weiter verbreitet – ergibt sich für die gesamte Rhön eine bundesweite Bedeutung“, betonte Stefan Stübing vom Büro für faunistische Fachfragen in seinem Vortrag.

„Der Wachtelkönig ist für den Artenschutz im Biosphärenreservat ein Extrembeispiel, das zeigt, wie viel Aufwand manchmal nötig ist, um eine Tier- oder Pflanzenart zu erhalten“, erläuterte Stübing. „Unter den 2000 hessischen Vogelbeobachtern finden sich wahrscheinlich keine 100, die ihn jemals zu Gesicht bekommen haben.“ Der Bodenbrüter, der kein großer Flugkünstler ist, verhält sich deswegen so „heimlich“, da er sehr anfällig gegenüber Feinden ist. Eine bestmögliche Tarnung im hohen Gras ist daher überlebenswichtig. Spezialisiert ist der Wachtelkönig auf offene Grünlandtypen. Das Biosphärenreservat mit magerem Berggrünland und Borstgrasrasen, auf denen er sich unbehindert bewegen und auf Nahrungssuche gehen kann, bietet also beste Voraussetzungen – eigentlich. Allerdings waren im Jahr 2017 in ganz Hessen nur noch drei Rufer gezählt worden. Zu schaffen macht dem Vogel der gravierende Lebensraumverlust, bedingt durch Trockenlegung, Nährstoffeintrag, aber auch Tötung bei der Mahd. „Ohne eine Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft ist der Wachtelkönig also nicht zu retten“, betonte Stübing.

Maßnahmen haben gefruchtet

Deshalb werden im Landkreis Fulda besondere Anstrengungen zum Erhalt des Bodenbrüters unternommen. Grundlage ist ein Artenhilfskonzept, das die Staatliche Vogelschutzwarte im Jahr 2018 vorgestellt hatte. Ab Anfang Juni bis Mitte Juli werden zunächst die rufenden Wachtelkönige erfasst. Da der heimliche Vogel hauptsächlich nachts ruft und die Expertinnen und Experten in der Dunkelheit unterwegs sind, wird das oftmals zur Herausforderung. Wenn dann – nach mehreren Kontrollen – möglichst genau Brutstandorte und -status feststehen, wird der wahrscheinliche Brutbereich eingegrenzt. Dann kommt der Fachdienst Natur und Landschaft ins Spiel: Er nimmt Kontakt zu den Flächenbewirtschaftern auf, um eventuell Verschiebungen der Mahd- oder Beweidungstermine auszumachen. Da sich der Wachtelkönig bei der Jungenaufzucht Zeit lässt oder auch ein zweites Mal brütet, kann die Bewirtschaftung manchmal erst Ende September wiederaufgenommen werden. Für Ertragsverluste erhalten die Landwirtinnen und Landwirte Ausgleichszahlungen aus Naturschutzmitteln. Zu den Maßnahmen gehören auch das Stehenlassen von Schonflächen und die Teilnutzung von Schlägen. Seit dem Jahr 2018 hat der Landkreis bisher mit 32 Landwirtinnen und Landwirten im Schutz für den Wachtelkönig zusammengearbeitet.

2021 konnten 18 der 20 Reviere geschützt werden. Bei einer Kartierung von Bruterfolgen im Herbst zeigte sich dann anhand des Nachweises von flüggen Jungvögeln: Die Maßnahmen haben gefruchtet. „Es ist davon auszugehen, dass der Bestand von Wachtelkönigen in der Rhön gleichbleibend ist, oder dass er sich sogar erhöht hat“, sagt Dorothea Thielen vom Fachdienst Natur und Landschaft. „Neben den nun schon traditionellen Revieren sind einige bisher unbekannte hinzugekommen.“

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