Starkregenfrühalarmsystem
Durch steigende Temperaturen kommt es auch im Landkreis Fulda immer häufiger zu Starkregen und Überschwemmungen.
Das Ziel: Der Landkreis Fulda will Bürgerinnen und Bürger, Rettungskräfte und Behörden frühzeitig warnen können, um Leben zu schützen und Schäden zu verringern. Dafür wurde erstmals in Deutschland ein überregionales Starkregenfrühalarmsystem entwickelt und etabliert.
Die Lösung: In Zusammenarbeit mit Projektpartnern und allen Kommunen hat der Landkreis im Jahr 2024 ein Alarmsystem entwickelt. Dazu wurden mehr als 180 Sensoren im gesamten Kreisgebiet verbaut und eine Auswertelogik inklusive Appanwendung entwickelt. Künstliche Intelligenz und modernste Funk- und Cloudtechnologie ermöglichen das Erkennen von Starkregenrisiken und eine sofortige Alarmierung bei drohender Gefahr.
Das Hessische Digitalministerium hat das Projekt mit 828.000 Euro gefördert.
Notwendigkeit des Alarmsystems
Der Anstieg der Temperaturen führt in ganz Deutschland zu mehr Regen. Steigt die Temperatur um 1°C kann die Luft ca. 7% mehr Wasser speichern. Dieses Wasser entlädt sich immer häufiger in Gewittern und Starkregenereignissen. 2018 wurde der Landkreis Fulda mit einer solchen Extremwetterlage konfrontiert.
© Jutta SchäferÜberflutungen nach einem Starkregenereignis in Dirlos.Mit Hilfe der Digitalisierung wurde Ende April 2024 ein Alarmsystem für alle 23 Städte und Gemeinden im Landkreis Fulda eingeführt.
Funktionsweise
Rund 200 Sensoren wurden an Gewässern, auf Dächern und in Abwasserkanälen installiert. Diese Sensoren ermöglichen eine umfassende Datenlage, die auf die regionalen Bedürfnisse und auf den ländlichen Raum ausgerichtet ist.
© Sebastian MannertHessens Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus mit dem Gewässer- und dem Niederschlagssensor.Das System misst in Echtzeit, wie stark es regnet, wie hoch das Wasser steht und wie schnell es abfließt. Die gewonnenen Daten werden in eine Cloud übertragen, dort durch KI-Algorithmen ausgewertet und mit Daten der Wetterdienste verschmolzen.
Wenn nötig alarmiert das System vollautomatisch per SMS, per E-Mail oder per Anruf Bürgerinnen und Bürger, Rettungskräfte und Verwaltungen. Sie erhalten die Warnung, wenn Sie sich die „Starkregen-App“ herunterladen und Ihre Kommune angeben.
Die Nutzung der App ist ohne Registrierung möglich.
Das System informiert Sie zuverlässig, genau wie Einsatzkräfte und Behörden, vor Starkregenereignissen und möglichen Sturzfluten.
Die Warnstufen
Die Alarmierungen erfolgen in drei Stufen: Stufe S1 intensiver Starkregen mit Überstau, S2 außergewöhnliches Ereignis mit Überflutung und S3 extremer Starkregen mit Sturzfluten. Die entsprechenden Warnungen werden via SMS, Push-Nachricht, E-Mail und bei der höchsten Stufe per Telefonanruf ausgespielt.
Genauigkeit der Warnungen
Eine spezielle Auswertungsroutine, die mit künstlicher Intelligenz arbeitet, macht die Messungen genauer.
Sie lernt aus früheren Messungen und kann dadurch besser vorhersagen, was bald passiert. So wird die Vorwarnzeit immer länger. Aktuell können Warnungen bis circa 60 Minuten vor Eintreffen der Sturzfluten ausgesprochen werden.
Den Einsatzkräften steht neben den Bürger-Funktionen und dem Warnmechanismus auch Monitoring-Funktionen, eine digitale Alarm- und Einsatzplanung sowie eine Starkregen-Hot-Spot-Karte mit Fließgeschwindigkeiten und Fließtiefen zur Verfügung. Während die Warnungen des DWD meist für große Regionen wie ganz Osthessen ausgesprochen werden, haben Verwaltung und Einsatzkräfte mit dem Starkregenfrühalarmsystem die regionale Lage mit den kleinen Gewässern im Blick – und können bei Bedarf zeitnah Maßnahmen ergreifen. Somit können Rettungskräfte Maßnahmen einleiten, bevor der Starkregen eintritt.

