Abfallverwertung und
-vermeidung
Beim Klimaschutz spielt das Thema Müll eine bedeutende Rolle. Auch im Landkreis Fulda ist Ziel, Abfälle möglichst klimaschonend zu lagern und effizient weiterzuverarbeiten. Das hilft letztlich nicht nur dem Klima, sondern kommt den Menschen im Landkreis Fulda auch selbst zugute. Gleichzeitig sind alle Bürgerinnen und Bürger gefragt, sorgfältig mit unseren Rohstoffen umzugehen − durch ein bewusstes Konsumverhalten und einen verantwortungsbewussten Umgang mit Abfällen.
- Verpackungsabfälle, für deren Sammlung und Entsorgung bereits beim Kauf bezahlt wurde, in die gelben Tonnen und gelbe Säcke geben. Keine Verpackungen in die schwarze Restmülltonne geben.
- Glasverpackungen gehören in den nächsten Altglascontainer.
- Abfälle aus Papier und Pappe gehören in die blaue Altpapiertonne, größere Mengen zum Wertstoffhof.
- Bioabfälle nicht in den Restmüll geben, sondern über die Biotonne zu Bio-Erdgas und Kompost verwerten lassen. Grünabfälle zu der gebührenfreien Annahme an den Wertstoffhöfen und Grünabfallsammelplätzen bringen. Alternativ selbst kompostieren.
Aus Bio-Müll wird Bio-Erdgas
Der Bioabfall aus dem Landkreis Fulda wird besonders effizient verwertet. Bis Ende 2012 wurden die Bioabfälle in einem herkömmlichen Verfahren kompostiert. So blieben die Nährstoffe zwar für den Naturkreislauf erhalten – die enthaltene Energie jedoch blieb ungenutzt. Seit Anfang 2013 werden die Bioabfälle zu Bio-Erdgas verwertet, das direkt ins örtliche Gasnetz eingespeist wird.
Das Verfahren
Die Abfälle werden zur Biothan-Anlage am Finkenberg in Kleinlüder geliefert, wo sie nach einem speziellen Verfahren gären. Betrieben wird die Anlage durch die Biothan GmbH, ein Unternehmen der RhönEnergie Gruppe.
Vor Ort gibt es zwei Verarbeitungswege: die sogenannte Trockenfermentation und die Nassfermentation. Der größte Teil der festen Reststoffe, die bei der Trockengärung verarbeitet werden, besteht aus den Abfällen aus unserer braunen Tonne. Hinzu kommen abgelaufene Lebensmittel. Nachwachsende Rohstoffe wie Mais werden nicht eingesetzt. Zuerst werden Störstoffe wie Verpackungsmüll entfernt und das Material wird zerkleinert. Anschließend kommt es in riesige Gärbehälter, wo Milliarden von Mikroben unter Luftausschluss für die Vergärung sorgen.
Die Nassfermentation läuft ähnlich ab wie die Trockenfermentation, allerdings enthält das Material mehr Feuchtigkeit. Auch Gülle aus der Landwirtschaft wird hierbei verwertet.
Das in diesem Prozess entstehende Biogas wird in vielen Anlagen verstromt. Oft kann die anfallende Wärme aber nicht vollständig genutzt werden. In der Biothan-Anlage wird das Biogas deshalb in einem besonderen Verfahren zu Bio-Erdgas veredelt. Dazu entzieht man dem Gas Kohlendioxid, Wasser und Schwefel und hebt den Anteil an brennbarem Methan auf über 95 Prozent an.
Auch das, was bei der Fermentation übrig bleibt, kommt wieder zum Einsatz: Die festen Gärreste, die jede Menge Nährstoffe enthalten, werden gelagert, getrocknet, mehrmals umgeschichtet und gesiebt. So entsteht hochwertiger Kompost, der in der Landwirtschaft und im Garten- und Landschaftsbau genutzt wird. Die flüssigen Gärreste fließen als geruchsarmer Flüssigdünger in die Landwirtschaft.
Verwertung von Restmüll
Auch der Restmüll aus dem Landkreis Fulda wird nicht etwa verbrannt, sondern bereits seit 2009 zu qualifizierten Brennstoffen aufgearbeitet. Wie beim Biomüll hat der Landkreis Fulda entsprechende Verarbeitungskapazitäten vertraglich gesichert. Die Restabfälle werden in besonders energieeffiziente, speziell auf solche Brennstoffe ausgerichtete Kraftwerke geliefert und dort energetisch verwertet.
Das Verfahren
Wie der Biomüll werden die Restabfälle zu Beginn in einer speziellen Aufbereitungsanlage zerkleinert. Anschließend werden die zerkleinerten Teile gesiebt und in drei Stoffströme getrennt. Stoffliche verwertbare Bestandteile, insbesondere Metalle, werden entnommen.
Die kleinsten Bestandteile, die weniger als 25mm groß sind („Feinfraktion“), werden in Vergärungsanlagen zur Biogasproduktion eingesetzt. Die größeren Bestandteile („Überkorn“, größer als 120mm) werden zum Beispiel in Zementwerken zur Energieerzeugung eingesetzt.
Den größten Anteil macht das „Mittelkorn“ mit einem mittleren Heizwert zwischen Holz und Braunkohle aus. Als qualifizierter Brennstoff mit gleichbleibenden Eigenschaften wird es in einem eigens für solche Brennstoffe ausgelegten Kraftwerk verwertet. Es ersetzt dort vollständig fossile Energieträger.
Auf der Deponie
Auch die in der Vergangenheit abgelagerten Abfälle hat der Landkreis Fulda im Blick. Mit gezielten Maßnahmen wird dafür Sorge getragen, dass Emissionen, die beim Abbauprozess entstehen, vermieden beziehungsweise bestmöglich reduziert werden. Denn im Jahr 2005 ist in Deutschland die Ablagerung von Müll auf Deponien per Gesetz weitgehend beendet worden. Seitdem muss der Müll entweder verbrannt oder für die Energieerzeugung in speziellen Kraftwerken aufbereitet werden, sodass negative Auswirkungen auf die Umwelt weitgehend vermieden werden. Nur mineralische Abfälle, die nicht brennen, dürfen noch abgelagert werden, also zum Beispiel Bauschutt.
Das Verfahren
Über lange Zeiträume entsteht aus den in der Vergangenheit abgelagerten Abfällen Deponiegas, das unter anderem besonders klimaschädliches Methan enthält. In Petersberg-Steinau wurde von 1969 bis 1982 eine Abfalldeponie betrieben. Nach der Schließung eröffnete das heutige Abfallwirtschafts- und Energiezentrum Kalbach (AEZ). Die ehemalige Anlage in Steinau wurde saniert und mit neuer Technik ausgestattet. Mit einem speziellen Verfahren wird das anfallende Deponiegas kontinuierlich abgesaugt und über einen speziellen Filter geleitet. In dem Filter sind Mikroorganismen enthalten, die Methan auf biologischem Weg abbauen. Gleichzeitig wird der Deponiekörper belüftet: Mit dem eingetragenen Sauerstoff sterben methanbildende Bakterien ab, und der noch abbaubare Kohlenstoff wird statt zu Methan direkt zu Kohlendioxid verstoffwechselt. Die Abbauprozesse werden beschleunigt und Methanemissionen vermindert, bis letztlich der abbaubare Kohlenstoff verbraucht ist. Dann finden keine Abbauprozesse und auch keine klimaschädlichen Methanemissionen mehr statt. So werden mittel- und langfristig viele Zehntausend Tonnen CO-Equivalente eingespart.
Auf der Abfalldeponie in Kalbach kommen Mikrogasturbinen zum Einsatz. So werden Methananteile zur Erzeugung von Strom und Wärme verwertet und zu Kohlendioxid umgewandelt. Zudem wird derzeit am AEZ untersucht, wie die Deponiegaserfassung optimiert werden kann.
Sowohl die Maßnahmen auf der ehemaligen Deponie in Steinau als auch auf der Abfalldeponie in Kalbach werden im Rahmen der nationalen Klimaschutzinitiative des Bundes gefördert.
Warum Mülltrennung so wichtig ist
Eine saubere Mülltrennung ist Voraussetzung, dass die Abfälle bestmöglich weiterverwertet werden können. Das ist insbesondere beim Biomüll wichtig. Ziel des Landkreises Fulda ist, weitere Grundstücke an das Biotonnen-System anzuschließen und die Bürgerinnen und Bürger zu einer besseren Mülltrennung zu motivieren. Denn noch immer landen viele Bioabfälle in der schwarzen Tonne. So geht wertvolle Biomasse verloren, die in der Biothan-Anlage energetisch genutzt werden könnte.
Im Biomüll landen aber oft auch Dinge, die da nicht reingehören. Hier ist der Landkreis aktiv geworden: Seit 2023 gibt es ein Detektionssystem an den Müllfahrzeugen, das Störstoffe in der Bio-Tonne erkennt. Die Tonne wird dann nicht geleert und erhält eine „Rote Karte.“ Schon nach etwa einem Jahr hat sich die Qualität des Biomülls deutlich verbessert.
Der Landkreis Fulda will in der Abfallwirtschaft aber auch selbst mit gutem Beispiel vorangehen: zum Beispiel mit Photovoltaik-Anlagen auf abfallwirtschaftlichen Anlagen und zahlreichen weiteren Maßnahmen wie dem Einsatz eines E-Lastenrads statt eines Fahrzeugs auf dem Abfallwirtschaftszentrum oder dem Verzicht auf Mähgeräte − stattdessen werden auf Flächen, die freigehalten werden müssen, Schafe und Ziegen zur Beweidung eingesetzt.
Verschenkemarkt
Der Landkreis Fulda setzt sich aktiv für die Abfallvermeidung und für Aufklärung und Bildung rund um die Themen bewusster Konsum und Nachhaltigkeit ein. Unter anderem hat der Fachdienst Abfallwirtschaft online einen Verschenkemarkt eingerichtet. Die Plattform bietet Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, kostenfrei und regional gebrauchte und nicht mehr benötigte Gegenstände zu verschenken oder nach solchen zu suchen.
Schulstart mit dem "Blauen Engel"
Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als 200 Millionen Schulhefte verbraucht. Aber nur jedes zehnte Schulheft ist aus Recyclingpapier, obwohl Hefte und Schreibblöcke mit dem "Blauen Engel" aus ökologischer Sicht die bessere Wahl wären. Denn neben dem Schutz des Waldes können bei der Herstellung von Recyclingpapier im Vergleich zu Heften aus herkömmlichem Frischfaserpapier bis zu 70 Prozent Wasser und bis zu 60 Prozent Energie eingespart werden.
Hätten Sie beispielsweise gewusst, dass bereits die Nutzung von 3 Blatt Recyclingpapier so viel Energie einspart, dass es für das Kochen einer ganzen Kanne Kaffee ausreicht? Bei 500 Blatt wird schon so viel Energie gespart wie für eine Waschmaschinenwäsche benötigt wird.
Jeder kann hier ganz leicht nachhaltig zum Umweltschutz beitragen. Zum Schulbeginn startet wieder eine Recyclingpapier. Kampagne des Umweltzeichens "Blauer Engel", die vom Bundesumweltministerium, vom Umweltbundesamt, der Jury Umweltzeichen und der RAL GmbH getragen wird. Auch der Landkreis Fulda will diese Aktion unterstützen und noch mehr Menschen für das Thema Umweltschutz sensibilisieren und zeigen, wie viele Möglichkeiten es gibt, sich selbst aktiv zu beteiligen.
Unter dem folgenden Link finden Sie viele interessante Informationen zu der Kampagne Schulstart mit dem Blauen Engel und die Vorteile von Recyclingpapier. Zusätzlich finden Lehrkräfte neben detaillierten Informationen auch Materialien zur Verwendung im Unterricht.
Zu gut für die Tonne
Nach einer Studie landet jedes achte gekaufte Lebensmittel inzwischen im Müll. Weil Lebensmittel in unserer Überflussgesellschaft jederzeit und überall verfügbar sind, scheinen wir die Wertschätzung hierfür zu verlieren. Häufig werden Lebensmittel weggeworfen, die gar nicht verdorben sind, sondern die wegen kleiner Schönheitsfehler nicht mehr appetitlich genug erscheinen oder die für verdorben gehalten werden, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist.
Bei einer Menge von rund 80 kg weggeworfener Lebensmittel pro Einwohner/in ergibt dies allein für Deutschlands Privathaushalte fast 7 Mio. Tonnen. Für deren Produktion, Verarbeitung und Transport wurden wertvoller Ackerboden, Wasser, Dünger und andere natürliche Ressourcen verschwendet. Zwei Drittel der Lebensmittelabfälle in privaten Haushalten könnten jedoch vermieden werden. Wir werfen teils original verpackte Lebensmittel weg in dem Wissen, dass andernorts Menschen Hunger leiden müssen.
Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat hierzu die Kampagne "Zu gut für die Tonne" gestartet, die auch der Landkreis Fulda unterstützen will. Neben hilfteicher Infos gibt es viele Tipps, was jeder mit einfachen Mitteln gegen die Lebensmittelverschwendung tun kann.
Lebensmittelabfälle, die sich dennoch nicht vermeiden lassen, hat der Landkreis Fulda eine besonders effiziente Lösung zur Wiederverwertung: Bioabfälle aus der Bio-Tonne werden zur Energieerzeugung in einer Vergärungsanlage eingesetzt, und aus den verbleibenden Gärresten wird wertvoller Kompost erzeugt. So bleiben auch die Nährstoffe dem Naturkreislauf erhalten.
