Himmelsvorschau für Oktober

Feuerkugeln, käsiger Mond und kranke Spatzen

Schon kurz nach dem magischen Dämmerungsende zeigt sich jetzt schon ab 20 Uhr das silbrige magisch schimmernde Band aus Myriaden von Sternen, auf das man in lauen Sommernächten noch bis Mitternacht warten musste. Und mit Beginn der Normalzeit ab dem 25. Oktober begleitet uns der geschmückte Nachthimmel schon ab Feierabend.

Sommerdreieck rechts und links der galaktischen Ebene

Wenn wir die Milchstraße über unseren Köpfen sehen, können wir uns bewusst machen, dass wir bei ihrem Anblick in die galaktische Ebene unserer Heimatgalaxie schauen. Wie wunderbar, dass wir das – an Orten ohne Lichtverschmutzung – vor unseren Haustüren erleben können! Im Bereich der Milchstraße fallen drei helle Sterne auf. Sie bilden das sogenannte Sommerdreieck aus den jeweils hellsten Sternen der Sternbilder Adler, Leier und Schwan. Das Sternbild Schwan ist aufgrund seiner kreuzartigen Form – das sind die ausgebreiteten Flügel – gut zu erkennen. Der Schwan, so scheint es, fliegt mit der Milchstraße über den Himmel. Es ist der verwandelte Zeus, der auf dem Weg ist, der Tochter der Göttin der Nacht seine Aufwartung zu machen.

Folgt man der Milchstraße Richtung Südwesthorizont, fällt eine wahre Funkelkammer auf – es ist das Sternbild Schütze, dort liegt das Zentrum unserer Galaxis. Richtung Osten leitet uns die Milchstraße zum berühmten Himmels-W, der Cassiopeia. Hier schauen wir eher an den Rand der Milchstraße.

Der hellste und der fürs Auge fernste Stern

Schaut man Richtung Westen, sieht man einen sehr hellen, leicht orange leuchtenden Stern, der wie verrückt funkelt. Das ist Arktur, der hellste Stern am nördlichen Firmament und letzter Frühlingsgruß. Doch wollen es die Umläufe der Planeten um die Sonne momentan so, dass uns der Abschied leicht gemacht wird. Denn genau gegenüber im Osten sieht man alleinstehend ein knopfartiges Gestirn, das nicht funkelt: Das ist Saturn, der schöne Ringplanet. In einem halben Jahr, wenn die Erde also eine halbe Runde um die Sonne gesaust ist, wird Arktur dann dort stehen und den Frühling einläuten.
Wer mal nicht schlafen kann, kann ab 3 Uhr nachts am Osthimmel endlich wieder den Mars sehen, dessen Eisenoxid-Oberfläche ihm die rote Färbung gibt. Dicht auf seinen Fersen folgt Jupiter, der größte unter den Planeten.

Sternkarte für den Monat Oktober

Pegasus, das Quadrat und Fernglasschätze

Vom Schwan im Zenit in Richtung Osten erkennt man auf halber Strecke ein riesengroßes Quadrat. Das ist der Bauch des geflügelten Pferdes Pegasus, dessen Vater der Legende nach der Meeresgott Poseidon war, die Gorgone Medusa seine Mutter. Sie leuchtet nun auch schon etwas östlich von Pegasus in der linken Hand des Perseus, der unterhalb der Cassiopeia als wunderschöne Perlenkette steht. Nimmt man ein Fernglas mit einer etwas größeren Öffnung zur Hand und unternimmt einen Streifzug vom Schwan zur Cassiopeia und vom Pegasus zum Perseus, zeigen sich allerlei funkelnde Schätzchen, darunter auch unsere Nachbargalaxie Andromeda in 2,5 Millionen Lichtjahren Entfernung.

Von herbstlichen Feuerkugeln und Trümmerteilen

Fixiert auf die August-Sternschnuppen des Perseiden-Stroms und durch Kunstlicht entfremdet von der Schönheit der Nacht, entgeht vielen Menschen, dass es das ganze Jahr über „schnuppt“. Über den ganzen Oktober hinweg schenken uns die vom Halleyischen Kometen (Orioniden) und dem Kometen 2P/Encke (Tauriden) hinterlassenen Staubteilchen beim Eintritt in die Atmosphäre Sternschnuppen. Zwar sind es nur wenige pro Stunde – darunter sind allerdings spektakuläre Feuerkugeln. Am besten mummelt man sich gut ein und genießt dieses ökologisch vertretbare Feuerwerk ab Mitternacht. Ganz und gar nicht ökologisch ist derweil das, was man in letzter Zeit häufiger zu sehen bekommt: in unsere Erdatmosphäre eindringende Trümmerteile von Satelliten, die unsere Ozonschicht gefährden.

Käsiger Vollmond

Bis Neumond am 10. Oktober und dem zunehmenden Halbmond am 17. Oktober sind die Nächte gut zum Sterneschauen geeignet. Danach wird unser Mond immer mehr den Nachthimmel dominieren, und wenn er am 26. als Vollmond gegen 18 Uhr am Osthorizont aufgeht, dürfte er – je nach Menge der Staubpartikel in unserer Atmosphäre – wie ein Goudakäse gelblich leuchtend beeindrucken.

Insbesondere bei Bewölkung kommt der sogenannte „Skyglow“, die künstliche Aufhellung des Himmels, besonders zum Tragen und lässt für Flora und Fauna keine Dunkelheit mehr zu. 

Schlafende Menschen, Skyglow und kranke Spatzen

Trotz seiner geringen Beleuchtungsstärke von unter 0,3 lx ist der Vollmond das hellste natürliche Licht in der Nacht. Er ermöglicht uns sogar Farbwahrnehmung. Scheint er jedoch in unsere Schlafräume, sorgt selbst diese geringe Intensität – weit unterhalb von Straßen-beleuchtungsniveau – für schlechteren Schlaf, wie Forschende der Charité Berlin herausgefunden haben. Sie führen aus, dass das Licht in der Ruhephase ein Stressfaktor ist und das Stresshormon Cortisol erhöht. Gleichzeitig wird das wichtige Hormon Melatonin gedrosselt, was sich negativ auf den Stoffwechsel auswirken kann.

Ähnlich verhält es sich in der Tierwelt, denn nächtliches Kunstlicht verändert unter anderem ihre innere Uhr und hemmt die Melatonin-Ausschüttung, was die Immunregulation stört. Die Aktion „Stunde der Gartenvögel“ hat nun einen drastischen Rückgang bei Haussperlingen, den beliebten Spatzen, aufgezeigt – vor allem in Städten. Als eine der Ursachen wird die Vogelmalaria vermutet. Aus Untersuchungen an Feldsperlingen weiß man, dass diese, wenn sie nachts dem Kunstlicht ausgesetzt sind, Infektionen weniger gut verkraften können, länger krank sind und dadurch Viren verbreiten und schneller daran sterben können.

Das sollte uns betroffen machen, denn es ist unser nächtliches und wenig genutztes Dauer-Kunstlicht, das direkt wirkt oder aufsummiert den bewölkten Stadthimmel taghell leuchten lässt und weit über die Stadtgrenzen hinaus abstrahlt. Und Tiere haben bekanntermaßen keine Fenster mit Rollo. „Licht aus“ ist also nicht nur ein Thema für Sternenfans, sondern auch für die Sicherung der Artenvielfalt, denn als Teil des Ökosystems helfen Spatzen bei der Schädlingsbekämpfung und der Unkrautkontrolle.

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